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Keine Angst vor dem „Streptococcus mutans“? Prophylaxe senkt Risiken für Herz und Gehirn!

Wie sieht es denn aus bei euch – mit der regelmäßigen und gründlichen Mundhygiene? Zweimal täglich Zähne putzen, einmal täglich Zahnseide, zwei mal im Jahr zum Zahnarzt und immer schön zur Prophylaxe und PZR? Wunderbar- dann braucht ihr an dieser Stelle nicht weiter zu lesen. Dann ist eure Mundgesundheit in Ordnung und Herz, Gehirn, Lunge, Muskeln oder Gelenke sind nicht weiter in Gefahr! Denn auch das hat ganz viel mit euren Zähnen zu tun.

Kariesbakterien als Schlaganfall-Risiko

Kennt ihr zum Beispiel den „Streptococcus mutans“? Das ist keiner der großen Hauptdarsteller aus „Jurassic Park“, sondern eine ziemlich fiese Bakterienart, die vor allem für die bekannten Karieslöcher verantwortlich ist!

Wissenschaftler haben in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass dieser Karieserreger Blutungen im Gehirn auslösen kann – mit einem möglichen Schlaganfall als Folge! Im Fachmagazin Scientific Reports (2016; doi: 10.1038/srep20074) berichten die Wissenschaftler von untersuchten Schlaganfall-Patienten, in deren Speichel der „Streptococcus mutans“ relativ häufig nachgewiesen wurde. Mehr dazu auf www.wissenschaft-aktuell!

Es krabbelt und kribbelt im Mund

In unserer Mundhöhle ist ganz schon was los: Viele hundert Arten verschiedener Mikroorganismen tummeln sich auf den Zähnen, der Zunge, in den Zahnzwischenräumen und in den tiefen Zahnfleischtaschen. Da kann geputzt und gespült werden – bei rund einer Billion Bakterien und Pilze, Geißeltierchen und Amöben in einem Gramm Zahnbelag wachsen unsere winzigen Mitbewohner permanent nach (Quelle: www.stern.de). Und das ist auch gut so, denn Bakterien sind grundsätzlich nicht schädlich für die Gesundheit. Viele von ihnen haben wichtige Aufgaben in unserer Mundflora zu erfüllen. Sie sind ein Teil unseres Immunsystems oder schützen die Schleimhäute.

Problematisch wird es erst dann, wenn wir den bakteriellen Belag in unserem Mund nicht entfernen und sich die Kleinstlebewesen ungehemmt vermehren können. Irgendwann ist die natürliche Regelung der Keim- und Bakterienzahlen für unseren Organismus nicht mehr möglich. Der Zahnbelag – auch Plaque oder Biofilm genannt – wird immer dichter und härter. Der bekannte Zahnstein entwickelt sich zur oralen Felsenlandschaft und dringt bis in die Tiefen der Zahnwurzeln vor. Immer mehr Bakterien produzieren immer mehr Säuren, die den Zahnschmelz zerstören. Infektionskrankheiten wie  Karies oder Parodontitis sind die Folgen ungehemmten Bakterienwuchses – mit Auswirkungen auf den gesamten Körper.

Entzündungen im Mund mit Gefahren für den Organismus

Wenn unser Immunsystem mit den Krabbeltierchen in unserem Mund nicht mehr fertig wird, dann reagiert er mit Entzündungen. Auch im Fall des „Streptococcus mutans“ geht es um Entzündungen: Das Bakterium produziert ein bestimmtes Protein, das sich an den Wänden der Blutgefäße festsetzt. Wenn die Bakterien aus dem Mund in den Blutkreislauf gelangen, erhöhen sich die Risiken für Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Parodontitis – die chronische Entzündung des Zahnhalteapparates – vielfache Risiken für die allgemeine Gesundheit mit sich bringt. Bakterien und Entzündungsstoffe können über die Blutbahnen den gesamten Körper befallen und somit die Risiken für schwerwiegende Erkrankungen erhöhen, wie zum Beispiel:

  • Diabetes
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Lungenentzündung
  • rheumatoide Arthritis

Auch die Auswirkungen der Parodontitis während einer Schwangerschaft werden seit Jahren diskutiert. Wissenschaftler gehen hier von einem Zusammenhang mit untergewichtigen Frühgeburten aus.

Der Zahnarztbesuch ist allgemeine Gesundheitsvorsorge

Neben einer gründlichen täglichen Mundhygiene gehört der regelmäßige Zahnarztbesuch in jedem Fall zu einer gesunden und vernünftigen Lebensweise dazu. Die Prophylaxe-Profis in der Zahnarztpraxis erkennen durch standardisierte medizinische Untersuchungen mögliche Risiken und können gemeinsam mit den Patienten rechtzeitig handeln. Auch die Anzahl und die Arten von Keimen und Bakterien können bestimmt werden, um auch hier entsprechend reagieren zu können.

Mindestens zweimal im Jahr wird bei der professionellen Zahnreinigung der gesamte Biofilm entfernt – vor allem dort, wo wir mit unseren Mitteln und Methoden zuhause keine Chance gegen die Bakterien haben! Je nach individueller gesundheitlicher Situation kann eine PZR auch häufiger statt finden – das entscheiden die Experten in der Zahnarztpraxis.

Fazit:  Der Besuch in der Zahnarztpraxis ist (lebens)wichtig und es geht um mehr als nur um eure Zähne!