Richtiges Zähneputzen ist für viele eine tägliche Herausforderung. Denn einfach morgens und abends die Zahnbürste für zwei bis drei Minuten mit den Zähnen zusammenbringen – das reicht nicht aus! Wer seine Mundgesundheit täglich auf Vordermann bringen will, der muss sich auch intensiv um die kleineren und größeren Lücken zwischen den Zähnen kümmern! In der Fachsprache heißen die mehr oder weniger stark ausgeprägten „Berührungspunkte“ der Zähne Approximal-, oder auch Interdentalräume.

Hier setzen sich Essenreste fest, finden Bakterien ein prima Klima und Zahnbelag eine ideale Grundlage. Damit die Spalten zwischen den Zähnen nicht zur gesundheitlichen Schwachstelle werden, müssen sie ebenfalls sorgfältig gepflegt werden.

Karies, Gingivitis und Parodontitis vermeiden!

Zahnbelag, Biofilm, oder Plaque: Dieser klebrige Film auf den Zähnen, an den Zahnhälsen – und vor allem in den Zwischenräumen – ist die wesentliche Ursache für Erkrankungen der Zähne, des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates. Die gründliche Entfernung dieser bakteriellen Zahnbeläge, die als Vorstufe für den hartnäckigen Zahnstein bekannt sind, ist deshalb eine der wesentlichen Vorsorgemaßnahme für die Mundgesundheit. Wie ihr die Zahnzwischenräume gründlich reinigen könnt und welche Hilfsmittel für die Zwischenraumreinigung nötig und sinnvoll sind, zeigen wir euch jetzt.

Zahnseide

Kennt ihr einen deutschen Spielfilm, in dem die Hauptdarsteller Zahnseide für die Mundhygiene benutzen? In amerikanischen Filmen oder Serien sieht man sehr oft, dass Stars und Sternchen mit Fäden im Mund hantieren. Das bekannteste Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume ist dort die Zahnseide. Was in den USA bei einem Großteil der Bevölkerung zur Zahnpflege wie selbstverständlich dazugehört, wird in Deutschland immer noch sehr zurückhaltend angewendet – hier besteht Nachhol- und Aufklärungsbedarf.

Zahnseide aus Nylon ist in unterschiedlichen Stärken und Breiten erhältlich. Ungewachste Zahnseide – aus miteinander verflochtenen Einzelfasern – besitzt einen geringeren Durchmesser als ihr gewachstes Pendant. Sie kann demnach auch bei sehr engen Zahnzwischenräumen eingesetzt werden, reißt jedoch schneller. Gewachste Zahnseide lässt sich leichter zwischen die Zähne einführen, fädelt sich nicht so oft an rauen Stellen auf und reißt seltener. Dafür besitzt sie einen kräftigeren Querschnitt, der ihren Einsatz bei sehr eng stehenden Zähnen limitiert. Die Verletzungsgefahr des Zahnfleisches ist bei gewachster Zahnseide höher, die Effektivität der Reinigung ist bei beiden Produkten gleich. Wichtiger ist die korrekte Anwendung, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen.

Schritt-für-Schritt-Anleitungen stehen normalerweise auf jeder Packung. Hier ein kurze Zusammenfassung:

  • etwa 20 bis 30 Zentimeter Zahnseide reichen für eine Anwendung pro Kiefer
  • zwischen den Zeigefingern jeder Hand den Faden straff spannen
  • vorsichtig einfädeln und vertikal und horizontal mit sanftem Druck hin und her schieben
  • pro Zahnzwischenraum einen neuen Abschnitt des Fadens nutzen
  • hierzu die verbrauchte Zahnseide einfach auf den Finger wickeln
  • eine Alternative zur Fingertechnik sind kleine Einspannhilfen aus Plastik

Interdentalraumbürsten

Wer sich nicht mit der Benutzung von Zahnseide anfreunden kann, hat zum Glück noch mehr Möglichkeiten, um sein Gebiss gründlich von Plaque zu befreien. Nicht jeder Erwachsene hat in seiner Jugend eine korrigierende Zahnspange getragen. Aufgrund des individuellen Zahnwachstums empfehlen Zahnärzte deshalb als Alternative zur Zahnseide die kleinen Interdentalraumbürsten.Vor allem bei breiteren Zahnzwischenräumen haben sich die Mini-Bürsten in schlanker Dreiecksform bewährt.

Interdentalraumbürsten bestehen in der Regel aus einem (kunststoffummantelten) Metalldraht, an dem die Reinigungsborsten befestigt sind. Die Bürsten sind in verschiedenen Durchmessern erhältlich. Ein auswechselbarer Kopf, wie wir ihn von manchen Zahnbürsten kennen, ist nicht vorgesehen, dennoch könnt ihr die kleinen Einmal-Bürstchen mehrfach benutzten.

Ihr solltet das Hilfsmittel bei regelmäßiger Nutzung alle ein bis zwei Wochen austauschen. Oft gelingt die Reinigung der Zahnzwischenräume mit den kleinen Bürsten einfacher als mit Zahnseide. Das ist jedoch Geschmackssache des jeweiligen Anwenders. Apropos Geschmack: Zahnseide wird mit verschiedenen Aromen angeboten, Interdentalraumbürsten nicht.

Das neueste Produkt in der Familie der Interdentalbürstchen ist die sogenannte „Wingbrush“. Wir haben das Produkt innerhalb unserer Redaktion getestet und nutzen es seitdem regelmäßig. Die Handhabung seht ihr im Video des Herstellers.

Zahnhölzer

Im allgemeinen Sprachgebrauch heißen die dünnen Hölzchen Zahnstocher. Und genau das ist das Manko der spitzen Hölzer aus Weichholz oder Kunststoff: die Verletzungsgefahr. Bei unsachgemäßer Anwendung stochert ihr euch das Zahnfleisch blutig und richtet mehr Schaden als Nutzen an. Für die Beseitigung von Plaque sind Zahnstocher nicht geeignet.

Mundduschen

Das gilt übrigens auch für die beliebten Mundduschen. Sie beseitigen zwar hartnäckige Speisereste gründlich, jedoch keinen zähen Zahnbelag, der kurz vor der Verfestigung zum Zahnstein steht.

Bei einer Munddusche erfolgt die Reinigung der Zahnzwischenräume durch einen dünnen Wasserstrahl, dessen Intensität stufenweise eingestellt werden kann. Was viele Patienten aus der Zahnarztpraxis als angenehmes Reinigungsritual bei der Zahnbehandlung kennen, hat längst in die Privathaushalte Einzug gehalten. Im Handel werden verschiedene Modelle (mit Wassertank oder Direktanschluss) in unterschiedlichen Preisklassen angeboten sind vor allem für Personen geeignet, die oben beschriebene Methoden nicht anwenden können oder wollen.

Eine Sonderstellung nimmt die sogenannte „Airfloss“ ein. Das Gerät wird zum Teil auch in Zahnarztpraxen eingesetzt und wurde von Dentalhygienikerinnen getestet!

Fazit: Alleiniges Zähneputzen reicht nicht aus

Egal, was die Zahnbürstenhersteller in ihren Fernsehwerbungen versprechen: Die alleinige Nutzung einer Zahnbürste für die mechanischen Reinigung reicht nicht aus, um die gefährlichen bakteriellen Beläge, die  Plaque, in den Zahnzwischenräumen zu entfernen. Lasst Euch von Eurem Zahnarzt beraten und nutzt vor allem die regelmäßigen Vorsorge- und Kontrolltermine in der Praxis.