„Mami schau mal – alles rot!“ Wer kann sich nicht an die schreckensweiten Augen der Kinder aus der TV-Werbung erinnern, die der Mutter die furchtbare Nachricht nachgewiesener Rückstände auf den Zähnen überbrachten? Auch in der Zahnarztpraxis werden Beläge mit Hilfe von Anfärbetechniken sichtbar gemacht. Ein wichtiges Zeichen, um die möglichen Brutstätten zahnschädigender Keime deutlich zu machen.

Zahnbelag, auch bekannt als Plaque oder „Biofilm“, besteht aus Bakterien und deren Stoffwechselprodukten, Nahrungsresten und Bestandteilen des Speichels. Er ist zäh, haftet fest an den Zähnen an und bietet Bakterien und Keimen einen idealen Nistplatz. Die Plaque wächst, breitet sich aus und startet nach etwa 48 Stunden den schädigenden Angriff auf den Zahnschmelz. Der zunächst weiche Belag entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer harten Schicht, die mit der Zahnbürste nicht mehr zu entfernen ist: Zahnstein, der sich weiter ausbreitet und mit seiner rauen Oberfläche die ideale Basis für die Anlagerung weiterer Bakterien bietet.

Unter normalen Bedingungen besteht in der gesunden Mundhöhle ein komplexes Gleichgewicht zwischen den Bakterien auf der Schleimhaut und auf den Zahnoberflächen. Allerdings kann es durch unterschiedliche Faktoren zu starken Verschiebungen dieses Gleichgewichts kommen. Dann können sich krankheitserregende Keime vermehren und ihre schädigende Wirkung entfalten. Kariesauslösende Bakterien bilden Stoffe, durch die sie besonders guten Halt an den Zahnoberflächen finden. Deshalb sind sie auch ein wesentlicher Bestandteil des Zahnbelags. Sie nutzen Kohlenhydrate zur Energiegewinnung und bilden beim Abbau Säuren als Stoffwechselprodukte. Diese Säuren lösen Calcium und Phosphat aus dem Schmelz heraus und machen diesen weniger widerstandsfähig.

Ob und in welcher Ausprägung Karies entsteht entscheidet das Zusammenspiel von Plaquebakterien und vorhandener Nahrung – ganz besonders Zucker. Im Stoffwechsel der Bakterien entsteht Säure, die auf der Zahnoberfläche abgelegt wird. Zwar ist der Zahnschmelz sehr widerstandsfähig, aber eben nicht unverwundbar. Säuren können ihm stark zusetzen: Sie lösen Mineralien heraus und weichen ihn so auf.

Und obwohl der Speichel Säuren bis zu einem gewissen Grad neutralisieren und den Schmelz remineralisieren kann: einem Dauerangriff ist dieses körpereigene Schutzsystem nicht gewachsen. Das Loch im Zahn wird umso größer, je länger anhaltend und je häufiger ein derartiger Säureangriff ist. Bei der Entstehung von Karies spielt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Ganz im Vordergrund steht dabei das Zusammenwirken bestimmter Nahrungsbestandteilen und säurebildender Bakterien. Einfluss nehmen aber z.B. auch Speichelzusammensetzung, Speichelmenge, Dauer und Häufigkeit der Nahrungszufuhr und die Nahrungszusammensetzung. Deshalb bleibt nur die Empfehlung zweimal täglich die Zähne gründlich zu bürsten und somit den Prozess der Plaquebildung häufig und weitgehend zu stören