Wer morgens mit Nackenschmerzen und verspannter Muskulatur aufwacht, der hat eins sicher nicht: ruhig und entspannt geschlafen! Wenn dann auch noch der Kopf dröhnt und die Kiefermuskulatur schmerzt, dann hatten vor allem die Zähne eine hyperaktive Nacht hinter sich! „In vielen Fällen führen Stress und Alltagserlebnisse, die wir im Schlaf verarbeiten, zu den ungewollt heftigen Begegnungen der Zähne. Aber auch wenn der Biss nicht stimmt, wenn die Zahnreihen nicht exakt aufeinander passen, versuchen wir dies durch Knirschen und Pressen mit den Zähnen zu kompensieren“, erläutert Dr. Christian Scheytt, Zahnarzt aus Ulm.

Zähneknirschen, oder wie der Fachmann sagt „Bruxismus“ heißt das Phänomen: Rund die Hälfte der Deutschen presst mehr oder weniger häufig die Zähne in der Nacht zusammen und vernichtet durch Druck und Reibung gesunde Zahnsubstanz. Ober- und Unterkiefer werden von Muskeln zusammengeführt, die zu den stärksten im Körper gehören. Rund 400 Kilogramm können da schon mal pro Quadratzentimeter mit massiver Kraft auf unsere Zähne einwirken. „Wer chronisch mit den Zähnen knirscht, der belastet Zähne, Kiefergelenke und die Muskulatur erheblich. Durch die permanente Überlastung kommt es zu Schäden, die wir durch den Einsatz von sogenannten Knirscherschienen vermieden wollen. Wenn Zahn- oder Kieferfehlstellungen die Ursache sind, dann müssen wir diese entsprechend regulieren“, so Dr. Scheytt

Zähne, Muskeln und Gelenke in Gefahr

Für die Betroffenen ist eine professionelle Hilfe und Betreuung wichtig, denn die Auswirkungen des Bruxismus können drastisch sein: Die Oberfläche der Zähne wird förmlich abgerieben, der Kieferknochen verändert sich – Zähne können sich lockern und ausfallen. Die Fehlstellungen der Gelenke und eine chronisch verspannte Muskulatur wirken sich auf den gesamten Körper aus – Migräne, Gelenk- und Rückenschmerzen können die Folge sein! Wenn die Kiefergelenke schmerzen und der Mund nicht mehr richtig geöffnet werden kann, sprechen die Fachleute von einer CMD – der „Craniomandibulären Dysfunktion“!

Um das Zähneknirschen in den Griff zu bekommen, müssen vor allem die Ursachen erkannt und behandelt werden. Hier sind in der Regel unterschiedliche medizinische Fachrichtungen gefragt. Zahnärzte kooperieren oftmals mit Psychologen, Orthopäden oder Physiotherapeuten.

Und statt wie so oft gefordert „die Zähne zusammen zu beißen“, sollte es lieber heißen: „In der Ruhe liegt die Kraft!“ Denn Entspannung und die Vermeidung von zu viel Stress geben auch den Zähnen in der Nacht die nötige Ruhe.

Umfassende Informationen bietet die Bundeszahnärztekammer: Bruxismus –
und die mögliche Folge craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)