Petra war bei einem neuen Zahnarzt und Petra ist mächtig sauer! Da erzählt ihr die Dentalhygienikerin in dieser Praxis doch nach einer umfassenden Untersuchung, dass sie krank sei. Die Befunde waren wohl eindeutig und die Diagnose auch: Eine schwere Parodontitis! Bislang hat Petra immer gedacht, das sei eine harmlose Entzündung des Zahnfleisches mit Namen Parodontose – falsch! Die Parodontitis ist eine chronische Entzündung im Zahnbett, die bei Petra mittlerweile auch den Kieferknochen angegriffen hat. Die Folge: Stark gelockerte Zähne, die irgendwann ausfallen, wenn niemand etwas unternimmt. mädchen mit zahnbürste und apfel - worauf kommt es bei der prophylaxe wirklich an

Prophylaxe ist nicht gleich Prophylaxe

Petra ist geschockt! Sie ist doch all die Jahre regelmäßig in ihre Zahnarztpraxis gegangen und dort haben sie ihr gesagt: „Alles in Ordnung! Kommen Sie in einem halben Jahr wieder!“ Das hat Petra getan, immer zweimal jährlich. Nach jedem Besuch hat sie auch eine Rechnung über 50 € erhalten – wegen der professionellen Zahnreinigung! Der oben geschilderte Fall (hat sich so zugetragen, Name geändert – die Red.) zeigt einmal mehr, dass es in deutschen Zahnarztpraxen sehr unterschiedlich zugehen kann, wenn von Vorsorge die Rede ist. Dabei sind die Auswirkungen einer schlechten Mundgesundheit für die allgemeine Gesundheit mittlerweile bekannt.

Wie ein professionelles Prophylaxekonzept aussehen kann, zeigt das Kölner Unternehmen goDentis (Deutschlands größtes Qualitätssystem für Zahnarztpraxen) in einem Video!

Information-Mundgesundheit: Im Interview – Sylvia Fresmann

Sylvia Fresmann ist die 1. Vorsitzende der DGDH, der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/Innen e.V. und leitende Dentalhygienikerin der goDentis. Zudem ist sie Geschäftsführerin von parostatus.de, einem innovativen Qualitätskonzept für die moderne Prophylaxe!

Sylvia Fresmann hat uns einige Fragen zur Prophylaxe beantwortet!

WIE KÖNNEN DURCH PROPHYLAXE GESUNDHEITSRISIKEN ERKANNT UND KRANKHEITEN VERHINDERT WERDEN?

„Wenn wir Krankheiten wie Parodontitis und Karies vermeiden wollen, müssen wir die Risikofaktoren für jeden Patienten individuell erheben, bewerten und dokumentieren. Eine professionelle Prophylaxesitzung beginnt mit der umfassenden Anamnese. Hier fragen wir auch nach dem Putzverhalten, nach Ernährungsgewohnheiten, Medikamenten, Alkohol- und Nikotinkonsum, oder Erkrankungen. Ganz wichtig sind Befunde, wie das Messen der Taschentiefe an jedem einzelnen Zahn. Nur so kann das Ausmaß möglicher Krankheiten erkannt werden – und eine rechtzeitige Behandlung ist möglich. Klinische Parameter und die zuvor genannten Risikofaktoren sind die Grundlage für die individuelle Einschätzung des Erkrankungsrisikos des Patienten. Auf der Basis dieser Befunde werden Therapie und Behandlung individuell festgelegt.“

WARUM IST PROPHYLAXE IN DER ZAHNARZTPRAXIS NICHT GLEICH PROPHYLAXE?

„Prophylaxesitzungen werden in den Zahnarztpraxen häufig sehr unterschiedlich durchgeführt und organisiert. Die Preise unterscheiden sich ebenfalls sehr stark. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Erwartungshaltung der Patienten. Schaut man genauer hin, stellt man sehr schnell fest, dass Behandlungsdauer, einzelne Behandlungsschritte, verwendete Materialien und die Qualifikation der Behandlerinnen von Praxis zu Praxis stark differieren. In der Regel dauert eine professionelle Prophylaxesitzung 60 bis 90 Minuten.“

WIE KANN ES ZU UNTERSCHIEDLICHEN QUALIFIKATIONEN IN DEN PRAXEN KOMMEN?

„Zahnärztekammern und deren Fortbildungsinstitute bieten diesbezüglich gute theoretische und praktische Unterstützung in Form von Kursen und Seminaren. Viele Praxen haben jedoch Schwierigkeiten bei der konkreten praktischen Umsetzung. Qualifiziertes Personal  – wie eine DH (Dentalhygienikerin) oder eine ZMP (Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin) ist häufig schwierig zu finden. Deshalb setzen einige Praxen auf kurze Schulungen, gerne auch mal an einem Nachmittag, um eine Zahnarzthelferin für die Prophylaxe zu qualifizieren. Leider fehlen dann häufig das theoretische Hintergrundwissen und die praktische Erfahrung. So können hochwertige Gesundheitskonzepte für den Patienten nicht umgesetzt werden“.

WELCHE GEFAHREN GEHEN VON EINER PARODONTITIS AUS?

„Wenn Patienten unregelmäßig oder selten die Zahnarztpraxis aufsuchen, bleiben Parodontalerkrankungen oft lange Zeit unentdeckt. Schmerzen treten zunächst nicht auf und gelegentliches Zahnfleischbluten wird aus Unkenntnis der Zusammenhänge toleriert. Wird die Parodontitis nicht erkannt, führt sie in letzter Konsequenz zu Zahn- und Implantatverlusten. Zudem haben die chronisch bakteriellen Entzündungen gravierende Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit. Die Risiken für beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rheuma können erheblich steigen!“

WELCHE PATIENTEN SIND DENN BESONDERS VON EINER PARODONTITIS BETROFFEN?
„Der letzten Deutschen Gesundheitsstudie zufolge sind fast 75% aller 35- bis 44-Jährigen von einer mittelschweren bzw. schweren Parodontitis betroffen. Auch wenn mit steigendem Alter das Erkrankungsrisiko noch zunimmt, handelt es sich bei dieser Erkrankung keineswegs um eine zwangsläufige Folge des Älterwerdens. Vielmehr begünstigen z.B. Rauchen, Stress, unzureichende Mundhygiene und systemische Erkrankungen diese ernst zu nehmende Krankheit. Hinzu kommen häufig anzutreffende altersspezifische Problemstellungen, wie freiliegende Zahnhälse, oder Zahnhalskaries.“


Fres04Deutsche Gesellschaft für DentalhygienikerInnen e.V.
Sylvia Fresmann

fresmann@dgdh.de

www.dgdh.de