Zahnmythen kennt doch jeder. Vielleicht hat man mal einen bei Kaffee und Kuchen mit der Oma aufgeschnappt, in der Schule davon gehört oder in einem bunten Blatt davon gelesen. Leider halten sich diese Märchen rund um unsere Zähne schon über viele Jahrzehnte, weil einige wirklich daran glauben. Der „Tag der Zahngesundheit 2016 am 25. September“ hat sich deshalb das Motto „Gesund beginnt im Mund – Fakten gegen Mythen“ gegeben. Wir machen hier und jetzt Schluss mit Mythen und sagen, was an den Märchen wirklich dran ist.

Mythos #1 Die professionelle Zahnreinigung bringt nichts!

Stimmt nicht! Bei einer professionellen Reinigung der Zahnoberfläche und der Zahnfleischtaschen werden bakterielle Beläge dort entfernt, wo die Zahnbürste nicht mehr hinkommt. Die „PZR“ ist damit eine wichtige Maßnahme gegen Krankheiten wie Parodontitis oder Karies. Wer sich unsicher ist, ob eine professionelle Zahnreinigung in Frage kommt, sollte die Prophylaxemitarbeiter in der Zahnarztpraxis ansprechen. Möglicherweise unterstützt die Krankenkasse ein solches Prophylaxeprogramm.

Mythos #2 Äpfel essen verhindert Karies!

Falsch! Auch dieser Mythos hat sich über viele Jahre hinweg gehalten. Heute soll Schluss damit sein! Das Kauen von Äpfeln verhindert auf keinen Fall die Bildung von Karies. Es stimmt zwar, dass der Verzehr harter Lebensmitteln wie eben von Äpfeln oder Möhren die oberen Beläge auf den Zähnen abreibt – mehr aber auch nicht. Richtig ist: Das Kauen stärkt die Muskulatur und regt den Speichelfluss an. Die schädlichen bakteriellen Zahnbeläge können aber nur mit Zahnbürste, Zahnseide und Zwischenraum-Bürstchen entfernt werden. Hinzu kommt noch, dass die in Äpfeln enthaltene Säure den Zahnschmelz angreifen kann. Von Äpfeln als Zahnpflegemittel sollten man also unbedingt absehen.

Mythos #3 Implantate müssen nicht gepflegt werden!

Auf jeden Fall! Natürlich können künstliche Kronen und Brücken keine Karies mehr bekommen, aber bakterielle Entzündungen sind auch hier eine schleichende Gefahr. Entzündet sich das Gewebe rund um das Implantat, droht der Verlust der künstlichen Zahnwurzel. Risikofaktoren sind vor allem eine mangelnde Zahn- und Mundhygiene sowie Rauchen.

Mythos #4 Fluoride bringen nichts, sie sind sogar schädlich!

Eindeutig Nein! Fluoride spielen bei der Vorbeugung von Karies eine wichtige Rolle und werden bei jeder PZR auf die Zähne aufgetragen. Sie schützen den Zahnschmelz zum Beispiel vor Säuren und machen ihn widerstandsfähiger, indem sie sich wie ein Schutzfilm über die Zähne legen. Fluoride sorgen bei frühzeitiger Anwendung im Kindesalter dafür, dass die Zähne unempfindlicher werden. Da der Gehalt an Fluoriden im Körper aber nicht ausreichend vorhanden ist, muss man sie von außen hinzugeben. Zahnärzte empfehlen deshalb das Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta.

Mythos #5 Sofort nach dem Essen die Zähne putzen!

Stimmt nicht ganz. Das ist im Prinzip nicht verkehrt, aber eben auch nicht zu 100 Prozent richtig. Es hängt vor allem davon ab, was man gegessen hat. Besonders nach sauren Speisen oder Getränken sollte man mit dem Putzen lieber etwas warten. Solche säurehaltigen Lebensmittel entziehen dem Zahnschmelz nämlich Mineralien wie Kalzium und Phosphat. Die Schutzschicht rund um den Zahn ist dann geschwächt. Wer sich jetzt die Zähne putzt, der schrubbt den Zahnschmelz gleich mit weg. Deswegen nicht nach der Gabel gleich zur Zahnbürste greifen, sondern etwa eine halbe bis eine Stunde warten. Dann hat sich genug Speichel gebildet, um die Säure zu neutralisieren.

Mythos #6 Jedes Kind kostet einen Zahn!

Auf keinen Fall! Werdende Mütter können aufatmen, denn dieser Mythos stimmt so nicht. Es gibt keine Relation zwischen der Anzahl der Kinder und verlorenen Zähnen. Sehr wohl ist es aber so, dass eine gute Zahn- und Mundhygiene in der Schwangerschaft besonders wichtig ist. Durch die Hormonumstellung wird das Zahnfleisch stärker durchblutet und ist hin und wieder angeschwollen. Das sind gute Bedingungen für Bakterien, um sich zu vermehren. Das kann zu Entzündungen des Zahnfleischs führen, der sogenannten Schwangerschaftsgingivitis. Hier hilft vor allem gute Pflege mit einer weichen Bürste, Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten.

Mythos #7 Wer feste schrubbt, putzt richtig!

Nicht richtig! Power-Schrubber sollten lieber einen Gang runterschalten beim Zähneputzen, denn dieser Mythos ist falsch. Wer seine Zähne und sein Zahnfleisch täglich mit harten Borsten bearbeitet, riskiert bleibende Schäden. Das harte Schrubben ist aber nicht nur schlecht für das Zahnfleisch, sondern kann im schlimmsten Fall auch den Zahnschmelz beschädigen. Die Folge sind freiliegende und schmerzempfindliche Zahnhälse. Deswegen die Zähne lieber mit weichen Borsten und der richtigen Putztechnik reinigen.

Mythos #8 Zahnfleischbluten ist nicht so schlimm!

Nein! Mischt sich häufiger Blut mit der Zahnpasta, kann das ein wichtiger Warnhinweis sein. Möglicherweise ist das Zahnfleisch entzündet. Nimmt man diese Symptome nicht ernst, kann sich aus einer Entzündung des Zahnfleischs eine Entzündung des Zahnhalteapparats entwickeln. Daher sollte man bei häufiger auftretendem Zahnfleischbluten unbedingt zum Zahnarzt gehen.

Mythos #9 Milchzähne müssen nicht gepflegt werden!

So ein Quatsch! Fällt der Zahn aus, hat sich der Karies erledigt. Das wäre eine einfache Rechnung –wenn sie denn stimmen würde. Die Pflege von Milchzähnen sollte aber unter keinen Umständen vernachlässigt werden, weil sie nur wenige Jahre halten müssen. Im Gegenteil: Ist ein Milchzahn erst einmal von Karies befallen, können sich die Kariesbakterien vermehren und sogar die später durchbrechenden bleibenden Zähne angreifen. Deswegen sollten die Milchzähne ab dem Durchbruch der ersten Zähne mindestens einmal täglich mit einer weichen, angefeuchteten Bürste geputzt werden.

Mythos #10 Kaugummi statt Zahnbürste!

Bloß nicht! Selbst das beste Zahnpflegekaugummi kann niemals das gründliche Putzen mit einer Zahnbürste ersetzen, soviel gleich vorweg. Es ist aber tatsächlich so, dass zuckerfreie Kaugummis eine gute Mundhygiene unterstützen können, sozusagen als Zahnpflege für zwischendurch. Durch das Kauen wird nämlich Speichel produziert, der die Bildung von zahngefährlichen Säuren verringern kann. Wer also nach dem Essen keine Zahnbürste zur Hand hat, kann ruhigen Gewissens zu einem Zahnpflegekaugummi greifen. Wichtig: Die Kaugummis sollten zuckerfrei sein!

Generell gilt: Wer Fragen zu seiner Zahngesundheit hat, der sollte einen Experten in der Zahnarztpraxis aufsuchen. Mythen wie diesen sollte man unter keinen Umständen vertrauen, sie können die Gesundheit gefährden! #FRAGDENZAHNARZT