Immer mehr Kliniken, auch Ergotherapie- und Zahnarztpraxen, möchten ihre Patienten mit guter Laune ablenken. Wobei man sich einen Clown am Zahnarztstuhl nur schwer vorstellen kann, oder? Warum eigentlich nicht. Am 01. Mai 2016 ist nicht nur der Tag der Arbeit, sondern auch Weltlachtag, der immer am ersten Sonntag im Mai gefeiert wird. Und weil man bekanntlich nie genug lachen kann, haben wir die medizinische Seite der Fröhlichkeit mal unter die Lupe genommen. Besonders genau haben wir uns die lustigen Gesellen angeschaut, von denen in letzter Zeit immer häufiger berichtet wird – dank Eckart von Hirschhausens Stiftung „Humor hilft heilen“: Die Klinikclowns!

Von Claudia Göpel (Autorin und Klinikclown)

Rote Nasen, Clownsdoktoren, Spaßtherapeuten – so vielfältig wie die Bezeichnungen der ambitionierten Quatschmacher, sind auch ihre Kostüme – wobei jeder Clown ein ganz spezielles Outfit trägt. Kostüm und Maske kennzeichnen den Clown von der Nasenspitze bis zum Schuh. Dieser Clownscharakter ist das Erkennungsmerkmal eines jeden Clowns und ändert sich nie. Mehr oder weniger aufwändig ist deshalb auch die Kostümierung eines Klinikclowns. Die meisten Klinikclowns sind in Vereinen organisiert und gehen ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit in ihrer Freizeit nach – unentgeltlich. „Erfunden“ wurden die Clownsdoktoren von dem amerikanischen Arzt Patch Adams. In Amerika, dem Ursprung der Klinikclowns, gehören die bunten Humortherapeuten längst zum Klinikalltag und sind fest angestellt. In Deutschland sind wir weit davon entfernt. Wie viele ehrenamtliche Klinikclowns es gibt, darüber existieren nur Schätzungen. Es sind auf jeden Fall zu wenige.

2015 haben sich 100 aktive Clownsdoktoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem Erfahrungsaustausch in Weimar getroffen. Damit haben sich geschätzt 70 Prozent aller aktiven deutschsprachigen Klinikclowns versammelt. Der Rest hatte Termine in Kinderkrankenhäusern, Hospizen oder Seniorenheimen und konnte nicht teilnehmen. Diese Clowns waren mit wichtigeren Dingen beschäftigt: Sie zauberten großen und kleinen Patienten ein Lächeln ins Gesicht und lenkten diese somit vom tristen Klinikalltag, von Schmerzen, Spritzen und Tabletten ab. Manches glockenhelle Kinderlachen kann man bis auf den Gang vernehmen.

„Wenn Lachen die beste Medizin ist, dann ist ein guter Clown der beste Arzt.“ (Siegfried Wache).

Erwiesen: Lachen hilft heilen

Lachen ist gesund. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen und belegt. Gelotologie wird die Lachforschung genannt – die wissenschaftliche Lehre über das Lachen. Beim Lachen, selbst beim verzagten Lächeln werden Endorphine freigesetzt. Diese Glückshormone sind das körpereigene Opium. Sie wirken auf das Schmerzzentrum im Gehirn und schalten Schmerzen kurzzeitig aus. Die Erinnerung an lustige Begebenheiten, wie der Besuch von Klinikclowns, hält lange an. Fröhliche Patienten werden nachweislich schneller gesund, denn Humor und positives Denken aktiviert die Selbstheilungskräfte. Kinder, denen eine Operation bevorsteht, lassen sich durch die Späße der Klinikclowns erfolgreich ablenken. Bevorstehende Spritzen und nervig summende Apparate geraten schnell in Vergessenheit.

Beim Besuch der Clownsdoktoren verfliegen Traurigkeit und Schmerzen in Windeseile. Das erkannte bereits der großartige Patch Adams, dessen Leben 1998 mit Robin Williams verfilmt wurde. Die lindernde Wirkung des Lachens hält unterschiedlich lange an – je nach Charakter und Alter des Kindes. Selbst wenigen Minuten Frohsinn sind jede Anstrengung wert. Noch gibt es viel zu wenig Klinikclowns in Deutschland, denn die Nachfrage ist riesig. In Thüringen sind zum Beispiel nur fünf Clowns in vier Kliniken aktiv, wahrend es in Bayern zehnmal so viele gibt. Besonders zahlreich sind die ehrenamtlichen Spaßmacher in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Hier agieren die Roten Nasen, die Clownsnasen und die Leipziger Klinikclowns – nur drei von zahlreichen kleinen Vereinen, die ihre Kosten durch Spenden finanzieren müssen.

Clowns weinen niemals

Das ist ein Mythos. Clownstränen hinter der Maske sind gar nicht so selten, denn die Arbeit in Kliniken und Hospizen ist anstrengend, erfordert viel Fingerspitzengefühl und starke Nerven. Der Besuch unheilbar kranker Kinder erweist sich oft als bittere Pille. Beim nächsten Besuch können die kleinen Patienten schon nicht mehr da sein. Umso wichtiger ist es, Kindern und Eltern die verbliebene Zeit so schön wie möglich zu machen. Denn jeder Tag ist lebenswert. Natürlich dürfen sich Clowns ihre Betroffenheit nie anmerken lassen, sondern sie sollen immer lustig sein. Die Clownsnase hilft dabei und funktioniert wie ein Schalter. Wird sie abgelegt, werden damit auch die Sorgen weggepackt – bestenfalls.  Klinikclowns heitern nicht nur junge Menschen auf, sondern helfen auch bei der Mobilisierung von Alzheimerpatienten, deren Erinnerungsvermögen durch die Späße der Clowns aktiviert wird.

Applaus!

Insgesamt ist die Clownsarbeit eine schöne, wichtige Sache. Humor hilft, die Genesung zu beschleunigen und Beschwerden zu lindern. Durch die Klinikclowns, deren Engagement erst zur Jahrtausendwende in Deutschland begonnen hat, dürfte auch in Krankenhäusern und Arztpraxen ein Umdenken stattgefunden haben. Statt trister weißer Wände wird bei der Neugestaltung von Kranken-, Warte- und Behandlungszimmern verstärkt Wert auf fröhliche Farben gelegt. Vielleicht hat euer Zahnarzt sogar eine rote Nase im Kittel versteckt? Fragt ihn doch mal.

Eines ist jedoch gewiss: Für ein herzhaftes, gesundes Lachen, braucht man schöne, gesunde Zähne. Jeder Zahnarzt hilft tatkräftig dabei, dass seine Patienten immer gut lachen können.