Ein Gastbeitrag von Annabell Meyer (finanzen.de).

Beim Gedanken an den nächsten Zahnarztbesuch spielen für viele Patienten auch die Kosten eine Rolle. Besonders gesetzlich Versicherte erhalten oft nur wenig finanzielle Unterstützung von der Krankenkasse. Eine der wenigen Ausnahmen, bei denen für Kassenpatienten keine weiteren Kosten entstehen, sind Amalgam-Füllungen. Diese werden komplett von den Kassen übernommen und gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil der Zahnmedizin. Das Füllmaterial kommt beispielsweise bei durch Karies angegriffene Zähnen zum Einsatz.

Amalgam − Die umstrittene Zahnfüllung

Das Gemisch aus Quecksilber, Kupfer, Silber und Zinn ist robust und langlebig. Durch den Kassenzuschuss müssen außerdem auch Geringverdiener oder Menschen ohne festes Einkommen zumindest aus finanzieller Sicht keine Angst vorm Zahnarztbesuch haben, wenn es um Zahnfüllungen geht. Trotz dieser Vorteile gibt es seit vielen Jahren heiße Diskussionen um Amalgam.

Insbesondere der hohe Quecksilbergehalt sorgt immer wieder für Streit, denn Experten sehen darin eine Gefahr für Patienten und Umwelt. Aber wie gefährlich ist Amalgam denn nun eigentlich und welche Folgen kann der Werkstoff haben?

Für ZahnvorsorgePlus liefern verschiedene Experten aus Politik und Gesundheitsbranche ihre Einschätzung und äußern sich ebenfalls zum baldigen EU-weiten Amalgam-Verbot für Schwangere und Kinder.

Amalgam gefährdet Patienten, Ärzte und Umwelt

Einige Zahnexperten verzichten bei der Zahnbehandlung bewusst auf Amalgam und setzen stattdessen auf andere Materialien wie Kunststoff oder Keramik. In den jeweiligen Praxen der Zahnärzte Dr. Matthias Eigenbrodt und Dr. Hans-Werner Bertelsen hat der Werkstoff beispielsweise nichts zu suchen. Das hat mehrere Gründe: das Wohlbefinden der Patienten, die eigene Gesundheit sowie den Schutz der Umwelt. Denn das enthaltene Quecksilber ist hochgiftig und zerstört Zellen, betont der Amalgam-Kritiker Dr. Bertelsen.

Vor allem auf lange Sicht bringen die Inhaltsstoffe von Amalgam erhebliche Risiken mit sich, die sowohl Patienten als auch das medizinische Personal gefährden. So entstehen bei der Arbeit mit Amalgam giftige Dämpfe, die für alle Beteiligten schädlich sind, weiß auch Dr. Eigenbrodt.

Aus diesem Grund befürworten die beiden Zahnmediziner auch den Beschluss des Europaparlaments, die Verwendung von Amalgam ab 1. Juli 2018 für Schwangere und Kinder zu verbieten.

Das Teil-Verbot von Amalgam ist nur ein erster Kompromiss

Anderen Kritikern geht das Verbot nicht weit genug. Sie betrachten die Entscheidung aus Brüssel lediglich als Kompromisslösung. So setzen sich Martin Häusling und Stefan Bernhard Eck, beide Mitglied im Europaparlament, für ein Komplettverbot von Amalgam ein. Dieses war laut den Politikern auch im Parlament im Gespräch, scheiterte jedoch nicht zuletzt, weil noch immer eindeutige Nachweise für die Gefahren von Amalgam zu fehlen scheinen. Eck und Häusling stehen dieser Begründung jedoch kritisch gegenüber. Anstatt auf weitere Studienergebnisse über die Risiken des Füllmaterials zu warten, sollte das Parlament ihnen zufolge lieber das Vorsorgeprinzip berücksichtigen, damit erst gar kein Patient Schaden nimmt.

Amalgam kann schwere Folgen für Körper und Psyche haben

Wie sich die möglichen gesundheitlichen Folgen ausdrücken können, erklären Reinhard Lauer vom Bundesverband der Beratungsstellen für Umweltgifte e.V. sowie der 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin.

So zeigen sich die Folgen einer Quecksilberbelastung nicht nur körperlich, sondern verursachen auch psychische Erkrankungen wie Ängste oder Psychosen. Je nach Patient können dabei die verschiedensten Symptome auftreten, etwa Magen- und Darmprobleme, Hormonstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Herzprobleme und viele weitere.

Daher halten Lauer und Höhne den weiteren Einsatz von Amalgam für einen schweren Fehler und plädieren für einen schnellen Ausstieg. Darüber hinaus empfiehlt Höhne Patienten mit entsprechenden Füllungen sogar, sich diese entfernen zu lassen, um sich nicht länger einem Risiko auszusetzen.

Prävention schützt am besten vor möglichen Gefahren

Eine solche Empfehlung sieht Zahnarzt Dr. Eigenbrodt eher kritisch. Zwar befürwortet auch er ein Ende der Amalgam-Behandlung. Doch für ihn gibt es keinen Anlass, sich eine Füllung entfernen zu lassen, wenn diese intakt ist und keine Allergie oder ähnliches vorliegt. Ein Komplettverbot von Amalgam stellt für ihn außerdem eine Kostenfrage dar, die erst einmal geklärt beziehungsweise aufgefangen werden muss.

Damit eine Füllung erst gar nicht notwendig wird, braucht es für Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, Professor am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und Mitglied im Freien Verband Deutscher Zahnärzte, eine stärkere Prävention. Denn damit lässt sich die Zahngesundheit am besten bewahren.

Sollten Patienten doch eine Behandlung benötigen, spricht aus Sicht von Prof. Dr. Dr. Meyer grundsätzlich nichts gegen den Einsatz von Amalgam. Seiner Meinung nach sind die Risiken des Werkstoffs bei Weitem nicht so groß, wie in den Medien berichtet wird. Er sieht in Amalgam einen medizinischen Kompromiss in der zahnmedizinischen Therapie und hält die anhaltende Kritik oftmals für unbegründet.

Zudem weist Meyer darauf hin, dass andere Werkstoffe wie Komposit ebenfalls Gefahren für Patienten mit sich bringen können. Damit wird für ihn einmal mehr die große Bedeutung einer weitreichenden Prävention deutlich.

Fazit: Die Zukunft von Amalgam steht in den Sternen

Ob und wie lange Amalgam weiterhin Bestandteil der Zahnmedizin bleibt, ist aktuell nicht abzusehen. Fakt ist, dass nach Meinung der Befürworter nach wie vor nicht eindeutig belegt werden kann, dass der Werkstoff so gefährlich ist, wie von den Gegnern behauptet. Dennoch kam das Europaparlament zu dem Schluss, dass das Material künftig nicht mehr bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden darf. Ob Amalgam letztlich komplett verboten wird, wie vielfach gefordert, bleibt abzuwarten.

Amalgam – gefährliches Risiko oder unbedenkliches Füllmaterial? Um sich diese Frage erst gar nicht stellen zu müssen, hilft nur eine aufmerksame Prävention in puncto Zahngesundheit. Da ist sich ein Großteil der Experten einig.