Das erste Wort des eigenen Kindes – für Papa und Mama ein ganz besonderer Augenblick. Wenn sich aus lustigem Geplapper allmählich verständliche Wörter formen, gibt es für die kleinen Sprachtalente kein Halten mehr. Es wird geplappert, was das Zeug hält! Doch bei einigen Eltern kommt nach den ersten spruchreifen Sätzen des Nachwuchses die Erkenntnis: Mit der Sprachentwicklung meines Kindes stimmt etwas nicht. Hier kann nicht nur der Logopäde mit einer Sprachtherapie helfen, sondern auch der Zahnarzt und der Kieferorthopäde!

Zahnfehlstellungen sind schuld

Häufig sind Zahn- und Kieferfehlstellungen der Grund für die Sprachprobleme bei Kindern. Eine der häufigsten Zahnfehlstellungen bei Kindern ist der sogenannte offene Biss. Hierbei treffen Front- oder Seitenzähne nicht aufeinander, so dass zwischen ihnen ein deutlicher Abstand besteht. Meistens liegt es am Schnuller, von dem sich Eltern und Kind nicht rechtzeitig trennen können. Es kann aber auch einen anderen Grund haben: Die Kinder schlucken falsch.

Sie drücken die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne und verschieben sie dadurch. So machen es Säuglinge: Sie bewegen die Zunge nach vorne, um Milch aus der Brust oder der Flasche zu saugen.  Im späteren Kindesalter aber sollte sich die Zunge nach oben in Richtung Gaumen orientieren. Das ist wichtig, damit sich der Oberkiefer richtig ausformen kann und die Zähne genug Platz haben. Ist das nicht der Fall, entstehen Fehlstellungen wie der offene Biss.

Spezielle Zahnspangen helfen

Der Fachmann nennt das falsche Schlucken Myofunktionelle Störung. Das betrifft nicht nur die Zähne, auch Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur sind beeinträchtigt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Aussprache. „Mögliche Folgen einer nicht behandelten funktionellen orofazialen Störung sind eine gestörte Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung, „verwaschene“ und/oder „feuchte“ Aussprache, die Zischlaute wie /sch/ und /s/ betreffende Artikulationsstörungen (Schetismus/Sigmatismus)“, schreibt der Deutsche Bundesverband für Logopädie. Der Kieferorthopäde korrigiert die Fehlstellungen mit speziellen Zahnspangen und einer sogenannten Mundvorhofplatte.

Info: Hier gibt es eine Übersicht über die verschiedenen Behandlungsmethoden

Falsche Angewohnheiten abgewöhnen

Doch auch der Besuch beim Logopäden ist sinnvoll. Hier arbeitet der Sprachtrainer an der Aussprache und hilft dem Kind, sich falsche Angewohnheiten wieder abzugewöhnen. „Ziel A ist der Muskelaufbau, also „Bodybuilding“ für Zunge und Lippen. Es soll richtig Muskelkater geben. (…) Ziel B ist die Veränderung falscher Gewohnheiten, wie etwa einer offenen Mundhaltung oder der Zungenruhelage zwischen den Zähnen. (…) In einem dritten Schritt geht es um die Korrektur des falschen Schluckmusters. Da die Zunge jedoch Teil des gesamten Körpers ist, wird auch der ganze Körper in die Behandlung mit einbezogen“, sagt Sonja Utikal vom Deutschen Bundesverband für Logopädie.

Schließlich ist es wichtig, nicht nur die Folgen der Zahnfehlstellungen zu behandeln, sondern auch die Ursache. Es empfiehlt sich deshalb, bereits im Kindergartenalter den Kieferorthopäden auf das Gebiss schauen zu lassen. So stellen Eltern die Weichen für gerade Zähne bei ihren Kindern und dürfen sich in Zukunft auf viel verständliches Geplapper freuen.