FLUORID! Kaum ein Thema wird im Internet so heiß diskutiert, wenn es um die Gesundheit der Zähne geht. Überall finden sich – gerne auch selbsternannte – Gesundheitsprofis, die vor den Folgen fluoridhaltiger Zahnpasten warnen. Dass Fluoride dabei immer wieder mit dem hochgiftigen Fluor in eine Tube gesteckt werden, ist sicher auch Kalkül und keine schlampige Recherche. Wenn dann noch ein Zahncreme-Hersteller mit TV-Spots zur besten Sendezeit die Diskussion anheizt, wird eins erreicht: Verunsicherung! Statt unnötiger Panikmache sollte es vor allem um sachliche Aufklärung gehen.

Fluoride in der Zahnpasta sind ein wirkungsvoller Schutz gegen Karies. Information Mundgesundheit erklärt, was Patienten, Eltern und Kinder über Fluoride wissen sollten.

Für die Gesundheit gibt es nicht nur ein Rezept

Warum werden wir krank? Wie bleiben wir gesund? Fragen, die wir uns täglich stellen und die mit wenigen Sätzen nicht beantwortet werden können. Für unsere allgemeine Gesundheit und für die Zähne gilt: Es gibt viele – auch individuelle – Faktoren, die darüber entscheiden, ob es uns gut oder schlecht geht. Hier nur einige Beispiele:

  • Umwelteinflüsse
  • der generelle Zustand unserer körpereigenen Abwehr (Immunsystem)
  • Ernährung
  • der Umgang mit Sucht- und Genussmitteln
  • genetische Veranlagungen
  • Hygiene und Pflege
  • die persönliche Einstellung zur allgemeinen Vorsorge (Prophylaxe)

Auch die Mundgesundheit ist ein facettenreiches Zusammenspiel aus Ernährung, Pflege und individuellem Verhalten. Die größte Gefahr geht dabei von Keimen und Bakterien aus, die Krankheiten wie Karies und Parodontitis verursachen.

Die Parodontitis (heißt auch im TV gerne mal Parodontose) ist in Deutschland der häufigste Grund für Zahnverlust bei Erwachsenen. Die Infektionskrankheit Karies hat sich vor allem bei den ganz kleinen Kindern zu einem Problem entwickelt. Insgesamt sind die Karieslöcher in den Zähnen von Kindern und Jugendlichen in den letzten 25 Jahren um rund 88 % zurück gegangen – auch durch die Verwendung von Fluoriden in der Zahnpasta!


Informationen der Bundeszahnärztekammer

Karies-Schutz durch Fluoride

Die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta ist eine der wirksamsten kariespräventiven Maßnahmen. Fluoride sind eines der weltweit am gründlichsten untersuchten Medikamente: In über 300.000 wissenschaftlichen Untersuchungen wurde bisher kein Hinweis auf eine etwaige Gefährdung der Gesundheit bei korrekter Einnahme gefunden. Der starke Kariesrückgang in Deutschland wird unter anderem auch der Fluoridanwendung zugeschrieben.

Wie wirken Fluoride?

Fluoride bieten einen hervorragenden Schutz vor Karies, indem sie sich in die Zahnstruktur einlagern und dadurch den Zahn „härten“, d.h. äußerst widerstandsfähig gegen die von Kariesbakterien unter Nutzung von Zucker freigesetzten Säuren machen. Fluoride hemmen so das Herauslösen von Mineralien aus der Zahnoberfläche nach einem Säureangriff aus der Nahrung oder der Plaque und fördern bei ständiger Verfügbarkeit in geringen Dosen die Remineralisation des Zahnes.

Sind Fluoride giftig oder schädlich?

Fluoride sind eines der weltweit am gründlichsten untersuchten Medikamente. Die „Giftigkeit“ der Fluoride ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen fast 10mal geringer als die von Kochsalz. Chemisch bestehen Fluoride aus den Elementen Natrium oder Kalzium und Fluor. Als reines Element sind Chlor und Fluor hochgiftig. Fluoride sind nahe verwandt mit Kochsalz, welches aus den giftigen Elementen Chlor und Natrium besteht. Wie man beim Kochsalz sieht, ist die Verbindung zweier giftiger Grundsubstanzen ein äußerst lebensnotwendiges Salz. Ebenso verhält es sich bei den Fluoriden, die ein wichtiges Spurenelement für den menschlichen Körper sind.

Wissenschaftlich abgesicherten Patienteninformation der BZÄK (PDF zum Download): Bundeszahnaerztekammer-Kariesprophylaxe-Fluoride


Wie viel Fluorid nehmen wir täglich auf?

Fluoride sind in diversen Lebens- und Nahrungsmitteln wie schwarzem, Tee, Fisch, Kochsalz oder Mineralwasser enthalten. Wer bei sich und seinen Kindern fluoridhaltige Zahnpasta sachgemäß einsetzt, der geht kein Risiko ein. Der erwachsene Deutsche nimmt am Tag ca. 0,4 und 1,5 Milligramm Fluorid auf und liegt damit deutlich unter dem Richtwert der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung – der liegt bei 3,5 Milligramm.

Fluorid wird nur dann vom Körper aufgenommen, wenn es verschluckt wird. In der Regel spülen wir den Mund nach dem Zähne putzen aus und die Restpaste landet im Spülbecken. Selbst bei einem versehentlichem Verschlu­cken liegt die Menge inner­halb der oben genannten Richt­werte.

Laut Bundeszahnärztekammer „kann eine ständige Fluoridaufnahme bei Kindern bis zum Alter von 6 bis 8 Jahren, die mehr als das Doppelte der empfohlenen Zufuhr beträgt, zu geringfügigen weißlichen Schmelzflecken führen, die nicht mit gesundheitlichen Nachteilen verbunden sind. Bei stärkerer Überdosierung kann es zu deutlich braunen Zahnverfärbungen kommen.“

Was passiert, wenn Kinder fluoridhaltige Zahnpasta verschlucken?

Das kann tatsächlich zu üblen Bauchschmerzen führen! Allerdings muss der Sprössling dann schon 70 Gramm Kinderzahnpasta mit 0,05 % Fluorid vernaschen, informiert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das klingt nicht gerade nach Alltagsgefahr und sollte in der täglichen Zahnpflege zu vermeiden sein.

Auch für kleine Kinder sind Zahnpasta mit Fluorid wichtig und unbedenklich - wenn die Eltern wissen, worauf es ankommt. Information Mundgesundheit klärt auf.

Wie bei vielen Nahrungsmitteln entscheidet die Menge über Geschmack und Wirkung, das gilt übrigens auch für die Muskatnuss!

Die Muskatnuss ist auch ein beliebtes Weihnachtsgewürz in Lebkuchen und anderen Leckereien. In geringer Dosis wirkt das Gewürz anregend. Das liegt am etherischen Öl Myristicin, in höherer Konzentration kann Muskatnuss jedoch zu Halluzinationen, Kopf- und Magenschmerzen führen. Schon der Verzehr einer halben Muskatnuss kann bei Erwachsenen tödlich sein – bei Kindern ist die Dosis entsprechend niedriger. Schreibt stern.de.

Fluoride im Blick: Information statt Panikmache

Eine oder mehrere Tuben Zahnpasta täglich zu verspeisen ist sicher alles andere als gesund – aber wer macht das schon. Den besorgten Eltern sei gesagt: Achten Sie einfach darauf, dass sich Ihre Kinder mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne putzen – statt sie zu essen – und befolgen Sie die Ratschläge der Prophylaxe-Profis aus der Zahnarztpraxis.

Die Chance, dass die Zahnpasta zum Gesundheitsrisiko wird ist vergleichsweise gering. Bedenklicher ist da der tägliche Verzehr zuckerhaltiger Brausegetränke oder der übermäßige Genuss von Brotaufstrichen aus Fett, Zucker und Schokolade.

Und wenn die unberechtigte Angst vor den Fluoriden auch noch als Verkaufsargument in der Werbung missbraucht wird, dann ist am Ende der verunsicherte Verbraucher wieder der Dumme – meint auch Zahnarzt Dr. Christian Scheytt, Zahnärzte im Wengentor aus Ulm.