Starker Durst, Müdigkeit und Wadenkrämpfe – Anzeichen für Diabetes sind tückisch, denn sie lassen sich in vielen Fällen nicht eindeutig der Stoffwechselstörung zuordnen. Das Resultat: Diabetes Typ 2 wird im Schnitt acht bis zehn Jahre zu spät erkannt und behandelt. Auch Parodontitis gehört zu den Indikatoren. Zum Weltdiabetestag am 14. November erklärt Information Mundgesundheit die Zusammenhänge.

Was ist Diabetes eigentlich?

“Zuckerkrankheit” beschreibt nur oberflächlich eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, bei dem sich Zucker im Blut ansammelt – daher der landläufige Name. Diabetes ist komplex und breitet sich aus: Laut Ärzteblatt leidet rund jeder Zehnte darunter.

Diabetes Typ 1: Die Bauchspeicheldrüse produziert kein oder nur sehr wenig Insulin. Fehlt das lebenswichtige Hormon, kann die Nahrung vom Körper nicht verwertet werden. Dieser Typus tritt meist schon im Kindes- oder Jugendalter auf.

Diabetes Typ 2: Die Bauchspeicheldrüse produziert ausreichend Insulin, das aber in den Zellen nicht richtig wirken kann. Leber und Muskeln beispielsweise nehmen den Zucker aus dem Blut nicht auf. Dieser Typus entwickelt sich meist im Erwachsenenalter und ist mit 90% viel stärker verbreitet als Typ 1.

Wenn Bakterien im Mundraum leichtes Spiel haben

Diabetes wirkt negativ auf entzündliche Prozesse im Körper – die Beobachtung machen Betroffene und Medizin seit geraumer Zeit. Aber was passiert da genau? Die Redaktion von ZWP online berichtet von einer Laborstudie mit Mäusen, durchgeführt an der University of Pennsylvania. Sie weist den Zusammenhang von Diabetes Typ 2 und Parodontitis zweifelsfrei nach.

Diabetes erkennen, verhindern, mit ihr leben und so gegen Parodontitis vorgehen

Ja, Parodontitis kann ein erster Hinweis auf die Stoffwechselstörung sein. Andersrum dämmt der erkannte und effektiv behandelte Diabetes eine fortschreitende Schädigung des Zahnhalteapparates ein. Hier besteht eine Wechselwirkung.

Diabetes erzeugt eine Kette von Faktoren, die das Risiko für Parodontitis erhöhen.

  • Durch hohen Blutzuckerspiegel wird der Mundraum nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
  • Das Immunsystem reagiert nur eingeschränkt.
  • Keime und Bakterien vermehren sich ungehindert.
  • Zahnfleisch und Knochen schwinden – der Halteapparat wird instabil.
  • Auf der anderen Seite erhöht sich durch Parodontitis die Insulinresistenz der Zellen – die chronische Entzündung begünstigt somit den Diabetes.

Informieren Sie sich dazu in unseren Beiträgen zum Thema Diabetes und Parodontitis.

Die Familie als Bodyguard für die Gesundheit des Einzelnen

Der Weltdiabetestag 2018 appelliert neben der Medizin an die Verantwortung durch die Familie. Diese drei Aspekte werden vorgestellt und Sie sollten bei Familienmitgliedern darauf achten:

  • Typ-1-Diabetes frühzeitig erkennen, damit schwere Behinderungen oder sogar der Todesfall verhindert werden. Häufiger Harndrang, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen oder Azetongeruch des Atems sind Hinweise, die im familiären Kreis auffallen.
  • Typ-2-Diabetes verhindern durch einen gesunden Lebensstil. Dazu gehören ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. In der Familie lässt sich das gut organisieren.
  • Mit Diabetes zu leben, bedeutet Disziplin zu üben. Auch hier ist die Familie der Schlüssel. Betroffene werden seelisch und praktisch unterstützt.

Was der Weltdiabetestag 2018 der Familie mit Blick auf die Stoffwechselkrankheit “Zucker” rät, gilt auch für die Mundgesundheit. Sind die Zähne sauber? Sag mal, hast du Zahnfleischbluten? – solche Fragen nerven vielleicht die Kinder oder den Partner. Aber im Grunde drücken sie liebevoller Sorge aus – man kann es auch tägliche Vorsorge nennen.

Ganzheitlicher Blick auf die Mundgesundheit ist wichtig

Einander im Blick haben, Bedenken äußern und Hilfe leisten: Jede Altersgruppe profitiert bei der Gesundheit von sozialen Bindungen. Parodontitis ist eine Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Rheuma und außerdem kann sie Anzeichen für Diabetes sein. Eine ganzheitlicher und gemeinschaftlicher Blick auf Mundgesundheit und körperliches Wohlbefinden macht Sinn.

Zum Weltdiabetestag: Ohne künstliches Insulin keine Behandlung von Diabetes – darum rückt am 14. November das Thema ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. An diesem Tag im Jahr 1891 erblickte “Insulin-Pionier” Frederick Banting das Licht der Welt. Als Mediziner isolierte er mit seinem Kollegen Charles Best das Hormon Insulin und wies die blutzuckersenkende Wirkung nach. Zwei Jahre später gelang die industrielle Produktion von Insulin und seine unkomplizierte Verfügbarkeit. Die Therapie der Volkskrankheit war geboren. Mit dem Weltdiabetestag, der immer einen thematischen Schwerpunkt hat, klären die Internationale Diabetes Föderation sowie seit 2006 auch die Weltgesundheitsorganisation über das Leben mit der Stoffwechselkrankheit auf.