Schall oder Rotation? Diese Frage kann unter Zahnputz-Enthusiasten zu hitzigen Streitgesprächen führen. Die Werbeversprechen im TV übertreffen sich regelmäßig mit neuen Superlativen der effektiven Zahnreinigung. Wir haben für Sie hinter die Werbeversprechen gesehen. Kann es wirklich nur einen Sieger geben?

Information Mundgesundheit teste elektrische Zahnbürsten: Schall oder Rotation?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ein Fünftel weniger Zahnverlust durch Verwendung elektrischer Zahnbürsten.
  • Zahnzwischenräume sollten einmal täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten gesäubert werden – unabhängig von schwingendem oder rotierendem Bürstenkopf.
  • Schallzahnbürsten nutzen eine hochfrequente mechanische Schwingung und erzeugen circa 30.000 Schwingungen pro Minute
  • Elektrische Zahnbürsten entfalten ihren positiven Effekt nur mit einer Putztechnik, die auf die jeweilige Methode angepasst ist.
  • Senioren oder Menschen mit motorischer Einschränkung profitieren von beiden Methoden.
  • Ob elektrisch oder mit der Hand: Zweimal täglich Zähneputzen ist wichtig für die allgemeine Gesundheit.

Elektrische Zahnbürsten putzen grundsätzlich gut

Elektrische Zahnbürsten – danach greifen immer mehr Menschen. Und sie entscheiden gut. Eine Langzeitstudie zeigt: Wer elektrisch putzt, hat weniger Probleme mit Parodontitis. Die Studie “Greifswalder Zahnmedizin” belegt: Der Zahnverlust bei Nutzern elektrischer Zahnbürsten war im Schnitt ein Fünftel geringer als bei denjenigen, die konventionelle Bürsten verwenden.

Und wie die Studie zeigt, elektrisches Putzen ist effektiv:

  • Plaque wird gut gelöst
  • Der Abrieb ist gering
  • Ein Timer animiert, volle drei Minuten zu putzen (je nach Ausstattung)
  • Menschen mit eingeschränkter Motorik profitieren
  • Schall oder Ultraschall säubert ohne Druck – das mögen Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch

„Unsere Studie zeigt, dass elektrische Zahnbürsten für die Aufrechterhaltung einer guten Mundgesundheit am vorteilhaftesten sind und mit einem verminderten Fortschreiten von Parodontitis und mehr erhaltenen Zähnen einhergehen.“ Studienautor Dr. Vinay Pitchika, Universitätsmedizin Greifswald. Hier geht es zur Studie

In den 1960er-Jahren kamen erste elektrische Zahnbürsten auf den Markt. Sie waren unhandlich und boten keinen Vorteil gegenüber einer Handzahnbürste. Das hat sich geändert. Ergonomisches Design und geringes Gewicht lassen die Beliebtheit der elektrischen Zahnbürste steigen.

Schall oder Rotation: Was ist der Unterschied?

Beide Varianten der elektrischen Zahnbürste kamen Anfang der 1990er Jahre in ihrer heutigen Funktionsweise auf den Markt. Optisch erkennt man sie schnell an den verschieden geformten Bürstenköpfen. Aber was sind die Unterschiede in der Funktion?

Links im Bild die Schallzahnbürste, rechts im Bild die Zahnbürste mit rotierendem Bürstenkopf.

Oszillierend-rotierende Borsten

Der Bürstenkopf ist rund und ähnelt einem zahnmedizinischen Gerät.

Mit schnellen Kreisbewegungen – abwechselnd links- und rechtsrum – wischt der Bürstenkopf den Belag von den Zähnen. Der rotierende, runde Bürstenkopf wird dabei an jeden Zahn angesetzt, massiert und säubert zugleich das Zahnfleisch. Außen, innen, obendrauf, fertig.

Schwingende Borsten

Die Schallzahnbürste unterscheidet sich bereits optisch durch einen länglich geformten Bürstenkopf. Sie erinnert an eine klassische Handzahnbürste. Gegenpolige Magnetfelder erzeugen eine Vibration der Borsten mit bis zu 60.000 Bewegungen pro Minute – abhängig vom Gerät. Diese Schwingungen sorgen nicht nur für die Zahnreinigung, sondern auch dafür, dass Speichel und Zahnpasta mit Druck durch die Zahnzwischenräume gepresst werden.

Die Schallzahnbürste wird wie eine konventionelle Handzahnbürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischsaum angesetzt und dann in die entgegengesetzte Richtung bewegt. So säubert man auch die Innenseite der Zähne sowie die Kauflächen.

Das Rütteln zum Lockern der Plaque übernimmt jede Bürste selbstständig – unabhängig ob rotierend oder schwingend.

Besser ohne Druck putzen

Während die Schallzahnbürste komplett ohne Druck über die Zähne gleitet, übt der Nutzer einer rotierenden Bürste sanften Druck aus. Deshalb ist der direkte Umstieg von einer Handzahnbürste auf eine rotierende Bürste etwas intuitiver. Beide Putzmethoden lassen sich aber schnell erlernen.

Sowohl rotierender Bürstenkopf als auch Schallzahnbürste schonen den Zahnschmelz und das Zahnfleisch. Die Nutzer beider Methoden wissen, dass Druck nicht für den Putzerfolg ausschlaggebend ist. Ja, dass er sogar schadet.

Der elektrische Bürstenkopf putzt automatisch gut

Den optimalen Putzeffekt einer elektrischen Zahnbürste garantiert der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt. Nur der regelmäßige Zahncheck zeigt, ob wirklich sauber und gründlich geputzt wird.

Im Verlauf einer Professionellen Zahnreinigung zeigt die zahnmedizinische Prophylaxeassistentin den richtigen Umgang mit der (elektrischen) Zahnbürste. Sie kann auch klären, ob rotierendes oder schwingendes Putzen besser geeignet ist.

Nachgefragt: Das sagen die Experten!

In der Zahnarztpraxis PODBI344 in Hannover erklärt die Prophylaxe-Assistentin wie mit Zahnseide gereinigt wird

Wir wollten es noch etwas genauer wissen und haben nachgefragt. Das Prophylaxe-Team der PODBI344, Zahnarztpraxis aus Hannover, hat geantwortet.

 

Welche Zahnbürste empfehlen Sie Ihren Patienten?

In der Regel empfehlen wir die Nutzung einer elektrischen Zahnbürste. Ob rotierend oder Schall ist letztendlich den Vorlieben des Patienten überlassen. Wir klären über beide Vorteile auf.

Fällt die Wahl auf eine Handzahnbürste, sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, dass diese mittelharte  Borsten hat. Wenn die Borsten zu hart sind, ist das schädlich fürs Zahnfleisch und den Zahnschmelz.

Eine elektrische Zahnbürste – egal, ob Schall oder Rotation – ersetzt nie die Zahnzwischenraumpflege mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen.

Muss ich nicht mit Druck putzen, damit auch alles sauber wird? Und wird bei einer Schallzahnbürste ohne Druck überhaupt alles sauber?

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass das Putzen mit mehr Druck auch mehr Zahnbelag (Plaque) entfernt. Das ist nicht nur falsch, sondern gefährdet zudem die Gesundheit der Zähne und des Zahnfleisches. Mehr als 200 Gramm Druck sollte beim Putzen nicht aufgewendet werden. Bei empfindliche Zähnen werden sogar nur bis zu 150 Gramm Druck empfohlen. Wer fester aufdrückt, riskiert eine schwere Schädigung der Zähne durch unerwünschtes „abschrubben“ des Zahnschmelzes.

Am einfachsten lässt sich der Druck beim Zähneputzen mit Hilfe einer Briefwaage testen. Einfach die Zahnbürste vorsichtig auf die Waage drücken, um ein Gefühl für die empfohlen 150-200 Gramm zu bekommen. Auch besonders ausgefranste Bürstenköpfe sind ein Indiz dafür, dass mit zu hohem Druck geputzt wird.

Womit reinigen die Profis in der Praxis bei der Professionellen Zahnreinigung (PZR)?

Bei der PZR entfernen wir zuerst den Zahnstein mit einem Ultraschall. Danach lösen wir die hartnäckigen dunklen Verfärbungen und den Biofilm mit einem Pulver-Wasserstrahl ab. Als Nächstes polieren wir die Zähne mit einer speziellen Polierpaste. Zum Schluss fluoridieren wir alle Zähne mit einem Fluoridlack.

Der positive Effekt hängt vom Nutzer ab

Schall, rotierend oder doch altmodisch mit der Hand – die Qual der Wahl bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

Zwischen Schallzahnbürste und konventioneller Handzahnbürste liegen in der Handhabung Welten. Ohne Druck gleitet der schwingende Bürstenkopf begleitet von dynamischem Summen über die Zähne. Das ist für viele zunächst ungewohnt.

Die Handhabung einer rotierenden Zahnbürste, bei der man mit etwas Druck die Zähne putzt, liegt näher bei der klassischen Zahnbürste. Gewohnheitsmenschen fällt hier der Umstieg leichter.

Am Ende ist die beste Zahnbürste die, mit der Sie regelmäßig zweimal täglich Ihre Zähne putzen. Das kann auch die gute alte Handzahnbürste sein.

Für alle Varianten gilt: Spätestens alle drei Monate muss der Bürstenkopf bzw. die Handzahnbürste getauscht werden. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt und lassen Sie sich alle Vor- und Nachteile erklären.