Hand aufs Herz: Nach den Rekordtemperaturen eines endlos langen Sommers freuen sich viele auf winterliche Temperaturen und Spaß in Eis und Schnee. Stellt sich die Frage: Wie geht es unseren Zähnen, wenn die Temperaturen den Gefrierpunkt umschmeicheln und heiße Getränke das Pistenvergnügen abrunden?
Zahnschutz bei rasanter Abfahrt, Kältesensibilität und die Abwehr von zuckersüßem Glühwein – “Zähne im Winter” ist ein weites Feld! Junge Familie mit Kind im Schnee. Information Mundgesundheit berichtet über Zähne, Kälte und wie man sich vor Zahnschmerzen schützen kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Freiliegende Zahnhälse sind der Grund für Schmerzen beim Kontakt mit Kälte – Fluorid schützt.
  • Ein Mundschutz beim Wintersport senkt das Verletzungsrisiko von Zähnen, Mund und Kiefer um 60 Prozent.
  • Wer den Speichelfluss anregt – zum Beispiel durch zuckerfreie Kaugummis oder Wassertrinken – kann Schäden durch Naschen auf dem Weihnachtsmarkt schon unterwegs vorbeugen.
  • Gemütlich und gesund: Grüntee und Schwarztee haben einen hohen Anteil an Fluoriden und unterstützen die Remineralisierung des Zahnschmelzes.

Ungeschützte Zahnhälse: Der Weg ist frei für Zahnschmerzen

“Hast du deinen Schal dabei?”, ruft man im Winter den Lieben noch hinterher. Ein flauschiger Schutz aus Wolle hält den Hals warm und beweglich. Ähnlich sieht es im Mund aus. Das Zahnfleisch umgibt den Zahnhals und schützt ihn vor Kälte und Angriff durch Säure. Zieht sich das Zahnfleisch durch falsche Putztechnik oder Entzündungen zurück, liegt der Zahnhals und somit das Dentin frei.

Was ist Dentin?

Hört sich hart an, ist allerdings weicher als Zahnschmelz, der das Zahnbein, wie Dentin auch genannt wird, überzieht. Dentin hat den größten Anteil am Zahn. Die mineralische Substanz ähnelt dem Knochengewebe, ist aber härter. Das Tolle: Dentin kann sich andauernd durch Biomineralisation erneuern.

Darum nehmen wir Kälte als Zahnschmerz wahr

Schmerz ist unangenehm und lästig. Aber Schmerz hat eigentlich eine sinnvolle Funktion: Er schützt uns vor gesundheitsschädlichen Wiederholungen oder signalisiert, sich Hilfe zu holen. So ist es auch bei Zahnschmerz, der durch Kälte ausgelöst wird. Trifft zum Beispiel die Winterluft auf das freiliegende Zahnbein, werden Flüssigkeitsbewegungen in den Dentinkanälchen ausgelöst. Der Reiz überträgt sich über Zellfortsätze und freie Nervenendigungen als Schmerz ans Zentralnervensystem. Eine deutliche Aufforderung, die freiliegenden Zahnhälse zu schützen.

Nicht nur Kälte wird als unangenehm empfunden, wenn die Zahnhälse frei liegen. Auch Heißes, Süßes oder Salziges kann Schmerzen auslösen. Damit der heiße Jagertee auf der Hütte genauso schmeckt wie die zünftige Brotzeit oder ein saftiger Apfelkuchen, kann man empfindlichen Zahnhälsen vorbeugen. Fluoride sind dabei zentral wirksam:

  • Beim Zähneputzen nicht feste schrubben, sondern die richtige Technik anwenden. Dafür eine nicht zu harte  Zahnbürste und spezielle Zahnpasta nutzen – mit Fluoriden und geringem Anteil an Schleifkörpern.
  • Mundspülung mit Fluoridanteil  – einmal täglich angewendet.
  • Fluoridhaltige Gels können einmal in der Woche verwendet werden.
  • Schließlich gibt es fluoridhaltige Lacke, mit denen der Zahnarzt die Lücke zwischen Zahnfleisch und Zahnschmelz versiegeln kann.

Wintersport: Zahnschutz und Zahnrettungsbox einpacken!

Immer mehr Menschen übernehmen aktiv Verantwortung für ihre Gesundheit beim Wintersport. Sie schützen sich mit einem Helm, auch wenn es noch keine entsprechende Pflicht gibt. Der Mundschutz sollte ebenfalls stärker ins Bewusstsein rücken: Er senkt das Verletzungsrisiko von Zähnen, Mund und Kiefer bei Sportunfällen um 60 Prozent – so auch beim Wintersport. Zahnarztpraxis und Dentallabor passen den Zahnschutz individuell an.

Mehr Infos: Skifahrer aufgepasst: Mit Helm, Zahnschutz und Zahnrettungsbox sicher auf Schnee und Eis 

Ähnlich vernünftig ist es, eine Zahnrettungsbox in den Rucksack zu stecken. Das bruchsichere Fläschchen enthält eine Zellnährlösung, in der ein Zahn oder Zahnstück bis zu 48 Stunden vital bleibt. Wird diesem Zeitraum ein Zahnarzt konsultiert, kann er das Bruchstück ankleben oder den gesamten Zahn wieder einsetzen.

Es ist keine Zahnrettungsbox zur Hand? So lange bleibt der demolierte Zahn vital:

  • 15 bis 30 Minuten in Plastikfolie oder Speichel, der in einem sauberen Gefäß gesammelt wird.
  • 30 Minuten in isotoner Kochsalzlösung aus der Apotheke.
  • 1 bis 2 Stunden in H-Milch.

Außerdem beachten: Den ausgeschlagenen Zahn – falls man ihn findet und nicht andere Verletzungen im Vordergrund stehen – an der Krone, nicht an der Wurzel anfassen und nicht säubern (das macht der Zahnarzt mit speziellen Mitteln, die den Zahn nicht austrocknen).

Glühwein, Plätzchen und kandierte Mandeln geben den Zähnen Saures

Weihnachtsmarkt oder Skihütte: Süße Leckereien gehören zu den winterlichen Genüssen. Zucker macht glücklich und Zucker spendet Energie. Darum werden Naschereien nie aus unserer Freizeitgestaltung verschwinden. Müssen sie auch nicht, wenn man weiß, wie sie im und auf den Körper wirken.

Mit Blick auf die Zähne sei gesagt: Nicht der Zucker sorgt für Karies und Co, sondern Säure, die aus seinem Stoffwechsel entsteht.

Bakterien in unserem Mund lieben Zucker, ernähren sich davon und produzieren dabei Säure. Die wiederum senkt den ph-Wert im Mund und Mineralien lösen sich aus dem Zahnschmelz. Das Ergebnis: Karieslöcher. Wer trotzdem nascht, kann auch unterwegs mit der richtigen Zahnpflege schlimme Schäden an seinen Zähnen vermeiden:

  • Zuckerfreien Kaugummi kauen; das regt die Speichelproduktion an und die Zähne werden natürlich gereinigt.
  • Zwischendurch Wasser trinken und so dem Speichelfluss helfen.
  • Wer den Zuckerkonsum auf die Stunden auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Après-Ski beschränkt, tut seinem Körper Gutes. Wieder zuhause oder im Hotel: direkt die Zähne putzen. Es gilt die Regel, die Mundbakterien nicht über den gesamten Tag verteilt zu füttern!

Gemütlich, wärmend und zahngesund zugleich: Schwarztee und Grüntee. Beide Sorten stammen von derselben Pflanze. Für den Schwarztee werden die Blätter fermentiert, für den Grüntee verhindert Erhitzen oder Dämpfen die Oxydation. Beide Sorten haben einen hohen Fluorid-Gehalt – und das macht sie für die Zahngesundheit interessant. Wer will, verwandelt den grünen Tee mit Portwein oder Brandy in einen Punsch … man kann die kalte Jahreszeit aber auch ohne Alkohol gut überstehen.