Diabetes ist mit sieben Millionen Betroffenen die Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland. Täglich erhalten 1500 Menschen die Diagnose – Diabetes. Besonders problematisch in der aktuellen Lage: Diabetes gilt als Risikofaktor für eine Covid-19-Infektion bei älteren Menschen und begünstigt zudem schwere Verläufe.

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) warnt vor möglichen Komplikationen und setzt sich für mehr Prävention ein. Lesen Sie zum WeltdiabetestTag (14. November) über die besonderen Herausforderungen für Diabetiker in Zeiten von Corona und die Schlüsselrolle der Mundgesundheit im Kampf gegen Corona und Diabetes.

Ältere Patientin bei Ärztin zur Blutzuckermessung. Information Mundgesundheit berichtet über Corona, Diabetes und Parodontitis zum Weltdiabetestag 2020.
Foto: ©BakiBG / Getty Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Für ältere Diabetiker mit Vorerkrankungen ist die aktuelle Corona-Lage besonders schwierig.
  • Die Volkskrankheit ist ein zentraler Risikofaktor – sowohl für eine Covid-19-Infektion als auch für einen schweren Verlauf.
  • Wichtig für Diabetiker: alle zusätzlichen Risikofaktoren ausschalten, um sich möglichst gut gegen Corona zu wappnen.
  • Einer dieser zusätzlichen Risikofaktoren ist die Parodontitis (chronische bakterielle Zahnbettentzündung).
  • Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich wechselseitig – sowohl positiv als auch negativ. Außerdem wirkt sich eine Parodontitis direkt auf das Immunsystem und daher auf das Risiko aus, (schwer) an Covid-19 zu erkranken.
  • Mit einer Kombination aus guter Mundhygiene, regelmäßiger Vorsorge, offenem Dialog und gesunder Lebensweise lässt sich eine bestehende Parodontitis gut im Griff behalten.
  • Kontrolliert der Patient eine bestehende Parodontitis, wirkt sich dies positiv auf den Diabetes aus.
  • Mit einem starken Immunsystem geht auch der Diabetiker besser durch die Corona-Zeit.

Corona und Diabetes: Risiko für ältere Patienten mit Vorerkrankungen

Auch wenn nicht alle Diabetiker als Risikopatienten gelten: Diabetes ist ein zentraler Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes, Vorerkrankungen und einem schlecht eingestellten Blutzuckerwert.

„Bei einer Covid-Infektion kommt es zu einer Entzündungsreaktion im ganzen Körper. Dadurch können noch zusätzliche Gefäßschäden entstehen. Auch das Risiko für Gefäßverschlüsse und Gerinnselbildung wird erhöht“, informiert Baptist Gallwitz, Sprecher Deutsche Diabetes Gesellschaft und stellvertretender Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Tübingen.

Hier informiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft zum Weltdiabetestag 2020.

Ein Problem: mehr als einem Viertel der Betroffenen ist (noch) nicht bewusst, dass sie an Diabetes leiden. Dies kann bei einer Infektion mit Corona zu unerwarteten Komplikationen führen. Daher empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft, ältere Covid-19-Patienten mit unklarem Status auf Diabetes zu testen.

Ohnehin steigt mit vorhandener Diabetes das Risiko, sich mit Corona zu infizieren: Blutzuckerwerte, die deutlich über der Norm liegen, schwächen das Immunsystem. Das Risiko für Infektionen, auch mit Covid-19, steigt folglich an.

Für die betroffenen Patienten bedeutet das: Sie haben gerade in Corona-Zeiten mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Um sich nicht auch noch zusätzlichen Risiken auszusetzen, ist es wichtig, alle beeinflussbaren Faktoren auszuschalten.

Diabetes und Parodontitis: zwei Volkskrankheiten mit Wechselwirkung

Einer dieser Risikofaktoren ist die chronische bakterielle Zahnbettentzündung (Parodontitis).

Auswirkungen der Parodontitis auf den Diabetes

Tritt bei einem Diabetiker eine Parodontitis auf, lässt sich der Blutzuckerspiegel deutlich schwieriger einstellen. Die chronische Entzündung sorgt für eine verstärkte Insulin-Resistenz der Zellen. Dadurch verschlechtert sich der Blutzuckerwert.

So werden Folgeerkrankungen des Diabetes (etwa der Nieren) begünstigt und die Sterblichkeitsrate kann ansteigen (bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße etwa um den Faktor 2,3). Durch eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung lässt sich dann auch der Diabetes besser kontrollieren.

Auswirkung des Diabetes auf die Parodontitis

Umgekehrt haben Diabetiker ein bis zu 3-fach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Der Diabetes verschlechtert die Durchblutung und damit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung. Die Immunabwehr wird geschwächt, sodass Keime und Bakterien leichtes Spiel haben. Auch Wunden heilen schlechter ab.

Diabetiker haben daher ein deutlich erhöhtes Risiko für bakterielle Entzündungen – wie die Parodontitis. Wer seinen Diabetes jedoch im Griff hat, senkt folglich auch sein Parodontitis-Risiko.

Sie möchten mehr über den Diabetes und die Wechselwirkung zwischen Diabetes und Parodontitis erfahren? Lesen Sie auch unseren Artikel zum Welt-Diabetes-Tag 2018:“Parodontitis kann Anzeichen für Diabetes sein!”

Corona und Mundgesundheit

Auch zwischen dem Corona-Virus und der Mundgesundheit des Patienten gibt es einen direkten Zusammenhang: Der Erreger SARS-CoV-2, der die Covid-19-Infektion auslöst, hat es besonders leicht, wenn das Immunsystem seines Wirts geschwächt ist.

Bleibt eine bakterielle Entzündung im Mundraum (wie eine Parodontitis) unbehandelt, nehmen die Bakterien überhand, gelangen in die Blutbahn und die Immunbarriere fällt. Bei intaktem Immunsystem ist das Risiko einer Corona-Erkrankung, erst recht für einen schweren Verlauf, deutlich niedriger.

Die Schlüsselrolle der Mundgesundheit im Kampf gegen Corona und Diabetes

Da sich Corona, Diabetes und Mundgesundheit wie beschrieben wechselseitig beeinflussen, ist es wichtig, alle drei Erkrankungen im Blick zu haben. Nur so können Diabetiker die Herausforderungen der aktuellen Lage bestmöglich meistern.

Dabei kommt der Mundgesundheit eine Schlüsselrolle zu. Schafft es der Patient eine bestehende Parodontitis unter Kontrolle zu halten, wirkt sich dies positiv auf den Diabetes und sein Immunsystem im Allgemeinen aus.

Als Diabetiker sollten Sie daher die folgenden Ratschläge beachten:

  • Achten Sie auf die richtige Mundpflege: Putzen Sie zweimal täglich Ihre Zähne (besonders abends) mit einer fluoridhaltigen Zahncreme, die antibakteriell wirkt. Achten Sie besonders darauf, Ihren Zahnersatz gründlich zu reinigen. Benutzen Sie Hilfsmittel wie Interdentalbürsten oder Zahnseide. Eine in Südkorea durchgeführte aktuelle Studie ergab, dass Menschen mit einer guten Mundhygiene ein zu 8 Prozent geringeres Risiko haben könnten, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorge und zur Professionellen Zahnreinigung: Sowohl Parodontitis als auch Diabetes bleiben oft lange unentdeckt, da sie oft keine Beschwerden verursachen. Daher ist es wichtig, auch dann, wenn Sie vermeintlich gesund sind, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Ihr Zahnarzt kann nicht nur eine Parodontitis erkennen, sondern bei Verdacht auf Diabetes auch einen Blutzuckertest durchführen. Lassen Sie Ihre Zähne professionell reinigen, um einer Parodontitis vorzubeugen oder diese abklingen zu lassen. Falls die Parodontitis bereits fortgeschritten ist, lassen Sie eine Parodontal-Therapie durchführen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt über Ihren Diabetes(-Verdacht): Wenn Sie vermuten oder wissen, dass Sie an Diabetes erkrankt sind, ist es wichtig, Ihren Zahnarzt frühzeitig darüber aufzuklären. Gerade im Falle einer chirurgischen Behandlung ist dies von entscheidender Bedeutung: die gestörte Wundheilung kann ansonsten zu Komplikationen führen. So können Diabetologe und Zahnarzt erfolgreich zusammenarbeiten.
  • Setzen Sie auf eine gesunde Lebensweise: Ernähren Sie sich kalorienbewusst und ausgewogen. Trinken Sie ausreichend (mindestens 1,5 bis 2 Liter). Verzichten Sie auf das Rauchen. Verhalten Sie sich auch sonst möglichst gesundheitsbewusst. So stärken Sie Ihr Immunsystem im Kampf gegen Corona, Diabetes und Parodontitis!

Wussten Sie schon …?

Immer mehr Zahnärzte bieten bereits spezielle Diabetes-Sprechstunden an und entwickeln individuelle Prophylaxekonzepte für Diabetiker. Unser Artikel “Weltdiabetestag 2019: Die Diabetes-Sprechstunde in der Zahnarztpraxis” zeigt das Angebot einer Diabetes-Sprechstunde am Beispiel der Zahnarztpraxis Dr. Marko Reiter aus Wirges im Westerwald.

Fazit

Gerade in der aktuellen Situation müssen sich Diabetiker besonderen Herausforderungen stellen. Um ihr Risiko, (schwer) an Covid-19 zu erkranken zu minimieren, ist gerade jetzt Folgendes wichtig: mögliche Risikofaktoren minimieren und den Diabetes unter Kontrolle halten.

Da Corona, Diabetes und Mundgesundheit sich wechselseitig beeinflussen, muss der Patient alle drei Erkrankungen im Blick behalten. Dabei kommt der Mundgesundheit eine besondere Schlüsselrolle zu.

Mit einer guten Mundhygiene, einer regelmäßigen Prophylaxe, einem offenen Dialog mit dem Zahnarzt und einer gesunden Lebensweise lässt sich die Parodontitis – und damit sowohl der Diabetes als auch das Risiko, an Corona zu erkranken – gut in den Griff bekommen.

Weltdiabetestag

Dieser Aktionstag wurde 1991 von der Internationalen Diabetes Federation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. An diesem Tag soll jährlich über die Krankheit Diabetes und ihre gesundheitlichen Folgen aufgeklärt werden. Er fällt auf den 14. November, den Geburtstag von Sir Frederick Grant Banting. Dieser erhielt 1923 den Nobelpreis für Medizin und entdeckte 1922 zusammen mit Charles Herbst 1922 das Insulin. Seit 2007 ist der Aktionstag offizieller Tag der Vereinten Nationen.