Was uns zwischen 7 Uhr morgens und 22 Uhr abends beschäftigt, nehmen wir oft mit ins Bett. Größere und kleinere Probleme knirschen wir dann im Schlaf weg. Das ist Stress pur für unsere Zähne! Durch häufiges Knirschen oder Pressen kann das Gebiss extrem leiden. Im schlimmsten Fall droht sogar der Zahnverlust. Wir erklären, wie der Zahnarzt Knirschern hilft.

Zehnmal höherer Kaudruck als tagsüber

Wenn wir in ein etwas zu trockenes Brötchen oder in eine knackige Möhre beißen möchten, können unsere Kiefer die Zähne mit etwa 50 Kg/cm² zudrücken. Im Schlaf haben wir nichts zu kauen, trotzdem pressen viele von uns in der Nacht die Zähne aufeinander – mit dem Zehnfachen des normalen Kaudrucks! Wer regelmäßig nachts den Stress vom Tag weggknirscht, leidet unter Bruxismus.

Bis zu 45 Minuten dauern die Knirschanfälle zwischen Bettdecke und Kopfkissen. Für die Zähne ist das ein Alptraum! „Durch den starken Druck kommt es zu Zahnschmelzaussprüngen und auch zu keilförmigen Defekten am Zahnhals. Auch vorhandene Kronen und Brücken können Schaden nehmen und die Bisslage kann sich verändern“, schreibt die Bundeszahnärztekammer.

Das Zahnfleisch kann sich entzünden

Durch die ständige Überbelastung des Zahnhalteapparates zieht sich irgendwann das Zahnfleisch zurück. Daraus kann eine Entzündung entstehen, die sich ohne Behandlung zu einer Parodontitis entwickelt.  Die chronische Entzündung greift den Kieferknochen an, der den Zähnen nur im gesunden Zustand genügend Halt geben kann. Spätestens jetzt droht der Zahnverlust!

Mit sogenannten Aufbissschienen aus Kunststoff schützt der Zahnarzt die Zähne vor weiteren Knirsch-Schäden und sorgt gleichzeitig für eine Entspannung der Kiefermuskulatur. Denn das unbewusste Knirschen schadet nicht nur den Zähnen, sondern ist auch ein ungesundes Krafttraining für die Kaumuskulatur.

Durch die ständige Anspannung wächst der Muskel und es kommt zu starken Verspannungen. „Treten neben den Schmerzen auch noch Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung auf, spricht man als mögliche Folge des Bruxismus von dem Krankheitsbild einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD)“, erklärt die Bundeszahnärztekammer.

Info: CMD: Schmerzen von Kopf bis Fuß!

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Stressbewältigung ist wichtig

Doch die Schienen alleine helfen nicht beim nächtlichen Knirschen. Sie schützen zwar die Zähne vor weiteren Schäden, aber die Ursachen für den Stress im Schlaf muss jeder selbst herausfinden. Begleitend zu regelmäßigen Terminen in der Zahnarztpraxis macht deshalb eine Psychotherapie zum Erlernen von Entspannungstechniken oder eine Physiotherapie zur Lockerung hartnäckiger Verspannungen Sinn.

Der Zahnarzt arbeitet eng mit Kollegen aus diesen Fachbereichen zusammen, um Knirschern schnell und zuverlässig helfen zu können. Denn nicht nur wir, sondern auch unsere Zähne brauchen mal eine Auszeit!