Rund 35 Kilogramm Zucker vernascht der Deutsche pro Jahr – und sicher geht in Zeiten von Weihnacht und Advent ein großer Teil davon über den Tisch. Zucker bedeutet dabei aber nicht automatisch nur Süßigkeiten. Er findet sich in alltäglichen Lebensmitteln wie Getränken und Fertiggerichten. Versteckte Zucker schleichen sich in unseren Körper und können der Gesundheit schaden. Wir erklären, wie Sie Zucker in Nahrungsmitteln erkennen und welcher Zucker sogar Ihren Zähnen schmeckt.

Zähne, Prophylaxe und gesunde Ernährung: Die süße Gefahr: Was wir über Zucker wissen sollten beantworten wir.

Schoko-Doping: Glücksgefühle durch süße Nascherei

Der Heißhunger auf etwas Süßes kommt unter anderem per Befehl von oben – aus unserem Gehirn. Dort wird beim Verzehr von Schokolade der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet. Das Glückshormon sorgt dafür, dass wir uns besser fühlen. Unser Gehirn lernt also: Schokolade gleich Glücksgefühle!

Info: Das isst der Deutsche im Jahr

  • 10 Kg Schokolade aus weiterverarbeiteten Produkten wie Osterhasen und Weihnachtsmänner
  • rund 2 Kg Kakaopulver
  • 5 ½ Kg Bonbons, kandierte Früchte und Marzipan
  • 7 Kg Backwaren wie Kekse, Lebkuchen Knäckebrot
  • 3 ½ Kg gesüßte Knabberartikel wie Chips
  • 3 ½ Kg Speiseeis

Deshalb können wir dem Schoko-Weihnachtsmann im Supermarktregal so schwer widerstehen. Unser limbisches System (steuert das Triebverhalten) generiert beim Anblick der leckeren Schokolade einen Drang, der unserem Körper befiehlt: Iss’ diesen Weihnachtsmann, denn dann bist du glücklich! An dem einen oder anderen Extra-Pfund auf der Waage ist also auch unser antrainiertes Belohnungssystem schuld!

Modedrink Smoothies: Vorsicht Fruchtzucker

Wenn die Werbung mit Begriffen wie „Ohne Zuckerzusatz“ oder „Mit viel Frucht“ agiert, haben wir es oft mit einem hohen Gehalt an Fruchtzucker zu tun. Diese Produkte enthalten beispielsweise Saftkonzentrate oder Fruktosesirup. Beispiel Obst-Smoothies: Hier findet sich oftmals jede Menge Fruchtzucker.

Fruchtzucker in großen Mengen nicht gesund: Dabei ist Fruchtzucker nicht kalorienärmer oder gesünder als normaler Zucker. Im Gegenteil. Auch gesunde Menschen vertragen nur eine bestimmte Menge davon. Fruchtzucker gelangt nur über das Protein Glut-5 ins Blut. Isst man zu viel davon, ist der Glucose-Transporter überfordert: Der Fruchtzucker landet im Dickdarm und das führt zu Blähungen, Durchfall oder Übelkeit. Auch gesunde Menschen vertragen in der Regel nicht mehr als 50 Gramm Fruchtzucker pro Mahlzeit. NDR – Fruchtzucker: Gesundes Image, böse Folgen

Versteckte Zucker in Lebensmitteln

Bewusstes Sündigen gehört zu Weihnachten dazu. Trotzdem achten auch einige zur süßen Jahreszeit auf die Kennzeichnung „Ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ auf Lebensmitteln. Dabei bedeutet das nur, dass kein Haushaltszucker (Saccharose) enthalten ist. Zucker steckt meistens trotzdem drin, nur unter einem anderen Namen.

Hinter diesen Begriffen versteckt sich Zucker in Lebensmitteln:

  • Glucose
  • Lactose
  • Maltose
  • Glukosesirup
  • Fruktosesirup
  • Magermilchpulver 
  • Gerstenmalzextrakt
  • Dicksaft
  • Fruchtextrakt
  • Molkenerzeugnis

So verbirgt sich zum Beispiel in Rotkohl aus dem Glas Zucker, genauso in fettarmem Joghurt, Ketchup und Dosenobst.

Andrea Stallmann, Ernährungsprofi aus KrefeldZuckerfalle: Dass Süßigkeiten Zucker enthalten weiß jeder, aber keiner vermutet wie viel versteckter Zucker die Lebensmittelindustrie verwendet. Das ist auch nicht wirklich gut zu durchschauen, da die Lebensmittelindustrie inzwischen bis zu 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerarten einsetzt. Ein Produkt beinhaltet dann gleich mehrere Zuckerarten, wobei jede einzelne oft nur in geringer Menge vorhanden ist. Für Verbraucher ist das sehr schwer zu erkennen, da der Zucker somit auch weit hinten in der Zutatenliste aufgeführt wird. Zählt man nun aber die verschiedenen Zucker zusammen, machen sie einen erheblichen Anteil aus. Andrea Stallmann, Zertifizierte Diätassistentin, Ernährungsberaterin/DGE

Zucker ist wichtiger Energielieferant

Zucker ist an sich nichts Schlechtes. Unser Gehirn benötigt Glucose als Antriebsstoff, sonst funktioniert es nicht richtig. Wer seinem Körper zu wenig Zucker gönnt, wird schneller müde und kann sich schlechter konzentrieren. Traubenzucker ist hier ein Turbo-Energielieferant: Der Zucker gelangt schnell vom Darm ins Blut und von dort aus ins Gehirn. Doch genauso schnell lässt die Hallo-Wach-Wirkung wieder nach.

Besser sind Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel allmählich steigen lassen. Das können zum Beispiel sein: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse.

Diese Faktoren begünstigen Karies

Auch für unsere Zähne spielt es eine Rolle, welche Art von Zucker wir uns schmecken lassen. Vor allem Haushaltszucker hat eine große kariogene Wirkung. Das bedeutet, das Risiko für Karies ist beim Verzehr von Speisen mit Haushaltszucker besonders hoch. Wie schädlich ein Nahrungsmittel für die Zähne ist, hängt aber noch von weiteren Faktoren ab.

  • Häufigkeit des Verzehrs
  • Dauer des Verzehrs
  • Anzahl kariesverursachender Bakterien im Mund
  • Alter des Zahnbelags

Bakterien wandeln Zucker in Säure um

Die kariesfördernden Bakterien in unserem Mund freuen sich jedes Mal, wenn wir dem Schoko-Weihnachtsmann nicht widerstehen konnten. Vor allem Monosaccharide aus dem Haushaltszucker können sie schnell abbauen und in Säure umwandeln. Die schadet den Zähnen richtig, indem sie den Zahnschmelz angreift und für Karieslöcher sorgt.

Info: Diese Lebensmittel sind gut für die Zähne

  • Grünes Gemüse
  • Käse- und Milchprodukte
  • Fisch
  • Schwarzer Tee
  • Dunkle Weintrauben

Honig zum Beispiel besteht aus bis zu 70% aus Glucose und Fructose. Die beiden Einfachzucker werden schnell von den schädlichen Bakterien im Mund zu Säure abgebaut und bleiben über einen längeren Zeitraum an den Zähnen haften. Damit das Kariesrisiko nicht steigt, sollten Honigliebhaber nach dem Verzehr mit Wasser nachspülen.

Xylit kann das Kariesrisiko senken

Es gibt aber auch Zucker, der den Zähnen schmeckt. Der Zuckeraustauschstoff Xylit hat dieselbe Süßkraft, aber weniger Kalorien (2,4 kcal/g) als Haushaltszucker (4 kcal/g). Einige Studien haben sogar bewiesen, dass Xylitol das Kariesrisiko senkt. Deshalb ist Xyilt – früher Birkenzucker genannt – oft in Zahnpflegekaugummis enthalten. 

Info: Xylitol kann das Kariesrisiko senken!

Auch Stevia ist als süße Alternative zum Haushaltszucker bekannt. Der Zuckerersatzstoff ist 200 bis 300 mal so süß wie Saccharose und dazu noch kalorienfrei! Wer sich über zahnfreundliche Lebensmittel informieren möchte, ist bei der Aktion Zahnfreundlich gut aufgehoben. Die Organisation kennzeichnet zuckerfreie Nahrungsmittel, die Kinder- und Erwachsenenzähnen nicht schaden.

Tipps für zahngesundes Naschen

Niemand muss den Zucker aus dem Speiseplan verbannen. Besonders zur Weihnachtszeit würde das den Haussegen wohl mächtig schief hängen lassen. Hier sind ein paar Tipps zum gesunden Naschen:

  • lieber konzentriert naschen als über den Tag verteilt
  • nach der Nascherei viel kauen, das regt den Speichelfluss an
  • kalziumreiche Ernährung

Und wenn die Weihnachtsfeiertage dann doch etwas süßer waren als erwartet, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Zahnarzt. Der Profi in der Praxis schaut Ihnen auf die Zähne und erkennt, ob der Schoko-Weihnachtsmann Spuren hinterlassen hat.

Natürlich beeinflusst der Zuckerkonsum nicht nur die Zähne: Übergewicht, Diabetes, Magen-Darm-Probleme durch Unverträglichkeiten – und auch die Entstehung von Tumoren wird mit einem erhöhten Zuckerkonsum in Verbindung gebracht.