Unsere Zähne machen täglich Einiges mit. Was wir Ihnen von morgens bis abends zum Kauen vorwerfen, ist sicher nicht immer gesund. Dabei ist es gar nicht schwer, die Zähne mit einer bewussten Ernährung zu unterstützen. Wie wir das am besten schaffen und worauf wir besonders bei Milchzähnen achten sollten, verrät Ernährungsberaterin Andrea Stallmann in einem Interview mit Information Mundgesundheit.

Viele arbeiten aktuell an ihrer Bikinifigur für den Sommer und stellen die Ernährung um oder verzichten gleich ganz auf bestimmte Sachen. Wenn man an seine Zähne denkt: Welche Lebensmittel sollten nicht auf dem Speiseplan fehlen?

Andrea Stallmann Wer eine Bikinifigur möchte, sollte sich trotzdem vollwertig ernähren. Viele vergessen dabei den Genuss. Langfristigen Erfolg bringt eine Ernährungsumstellung nur, wenn es auch schmeckt! Dazu gehören hochwertige Proteine, ballaststoffreiche Kohlenhydrate, gesunde Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Wenn man etwas für seine Zähne und das Zahnfleisch tun möchte, sollte man auf eine Kalzium- und eiweißhaltige Nahrung achten. Auch Fluoride sind wichtig für den Schutz vor Karies: Fisch und Schwarzer Tee enthalten viel davon.

Wie kann die Ernährung denn überhaupt die Zahn- und Mundgesundheit beeinflussen?

Andrea Stallmann Vollwertige Lebensmittel wie Vollkornprodukte und Gemüse enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Die Vitamine E und C sowie Kalzium sind zum Beispiel wichtig für gesundes Zahnfleisch. Vitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau. Gute Kalzium-Lieferanten sind grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Fenchel oder Grünkohl. Zwiebeln und Sellerie haben sogar die Fähigkeit, das Kariesbakterium Streptococcus mutans zu neutralisieren.
Auch Weintrauben, vor allem rote, enthalten Polyphenole, die den Stoffwechsel von Kariesbakterien verlangsamen. Mein Geheimtipp sind Sesamsamen und Mandeln. Die sind für die Zähne und Knochen sehr gut, da sie sehr viel Kalzium enthalten und damit den Zahnschmelz stärken.

Ernährungsformen wie Paleo und Vegan sind momentan sehr beliebt. Gibt es eine bestimmte Ernährungsform, die besonders zahnfreundlich ist?

Andrea Stallmann Wie gesund verschiedene Ernährungsformen wirklich sind, darüber kann man sich streiten. Um den Zähnen etwas Gutes zu tun, sollte sich jeder an ein paar einfache Regeln halten: Wenn wir zwischen den Hauptmahlzeiten naschen, schadet das nicht nur der Figur. Auch die Zähne brauchen immer wieder eine mehrstündige Pause vom Essen, damit der Speichel seine nützliche Wirkung voll entfalten kann.

„Zwiebeln und Sellerie haben sogar die Fähigkeit, das Kariesbakterium Streptococcus mutans zu neutralisieren.“

Und wenn ich mir direkt nach dem Naschen die Zähne putze?

Andrea Stallmann Das habe ich früher auch so gelernt. Da hieß es: Nach jedem Essen Zähne putzen! Heute sieht das anders aus. Mittlerweile lautet die Empfehlung: Morgens und abends die Zähne putzen! Auch beim Obst sollte man sich merken: Zwischen Verzehr und Zähneputzen sollte mindestens eine halbe Stunde liegen. So hat der Speichel genug Zeit, schädliche Säuren zu neutralisieren. Am besten mischt man sich das Obst in Joghurt oder Müsli. So unterstützt man die Neutralisierung zusätzlich. Auch ein zuckerfreier Kaugummi kann helfen, weil das Kauen den Speichelfluss anregt.

Heißt das jetzt, dass ich den Zähnen zuliebe auf zu viel Obst wegen der Säure lieber verzichten soll?

Andrea Stallmann Nein, auf keinen Fall! Nach dem Obstverzehr hilft oft schon ein kurzes Ausspülen mit Wasser. Das spült die Säure weg und verhindert einen Angriff auf den Zahnschmelz.

Was kann ich für die Zahngesundheit meiner Kinder tun?

Andrea Stallmann Kinderzähne benötigen Mineralien – in erster Linie Kalzium, Phosphat und Eisen sowie Vitamine und Spurenelemente. Milch, Käse, Gemüse, Obst, hochwertige Getreideprodukten, mageres Fleisch und Eier enthalten viel davon. Gut für die Entwicklung der Milchzähne ist die tägliche Dosis Vitamin-D. Sowohl Fertigmilch als auch Muttermilch enthalten zu wenig von diesem Vitamin, das wichtig für den Kalziumgehalt von Knochen und Zähnen ist.

Wie sieht es mit Fluorid aus?

Andrea Stallmann Ob ein Baby ab dem ersten Zahn zusätzlich Fluoride erhalten sollte, ist abhängig vom Fluoridgehalt des Trinkwassers und anderer Fluoridquellen in der Nahrung. Spezielle Kinderlebensmittel oder Brei sind weder notwendig noch besonders gesund. Die Milchzähne müssen kauen, damit sich das Gebiss altersgemäß entwickelt. Süße oder säurehaltige Getränke sind für die Ernährung von Babys ungeeignet und für die Milchzähne sogar gefährlich. Kinder sollten ungesüßten Tee oder Wasser trinken.

 

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©Andrea Stallmann

Andrea Stallmann ist Ernährungsberaterin und Ernährungspsychologin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Mit Ihrer „Praxis Essgenuss“ unterstützt Sie Kinder wie Erwachsene bei allen Fragen rund um Genuss und gesunde Ernährung.