An mehr als 1000 Jahre alten Zähnen einer Nonne haben Wissenschaftler Überreste von Zahnstein gefunden. Das zeigt uns: Im Mittelalter nahm man es mit der Prophylaxe beim Zahnarzt offenbar nicht so genau. Denn sonst hätte es der Zahnstein der frommen Frau wohl nicht bis ins Jahr 2019 geschafft. Aber was ist denn eigentlich so gefährlich am Zahnstein und wie lässt er sich entfernen? Die Antwort gibt’s aktuell von Information Mundgesundheit!

Junge Frau beißt sich auf Lippe und spürt Zahnstein an den Zähnen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Zahnstein entsteht durch mineralisierten Zahnbelag, der über einen längeren Zeitraum nicht entfernt wurde.
  • Für Bakterien ist Zahnstein ein idealer Nährboden, weil die Oberfläche rauer ist als auf einem geputzten Zahn.
  • Wird der Zahnstein nicht entfernt, vermehren sich die Bakterien und verursachen eine Zahnfleischentzündung.
  • Die beste Methode, um Zahnstein zu entfernen, ist die Professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt.
  • Hausmittel gegen Zahnstein können die Zähne und die Mundschleimhaut verletzen.

Was ist Zahnstein eigentlich?

Zunächst ist da der Zahnbelag (Plaque). Er bildet sich auf dem natürlichen Zahnschmelz durch Bakterien, die Nahrungsreste zersetzen. Bleibt der weiche Belag auf der Zahnoberfläche, lagern sich in ihm anorganische Stoffe aus unserem Speichel ein. Wird nicht geputzt, mineralisiert dieser Belag im Laufe von acht bis zehn Tagen: Es bildet sich Zahnstein.

Zahnstein besteht aus

  • Hydroxylapatit, Apatit
  • Proteinen, Kohlenhydraten
  • Mineralien wie Brushit, Whitlockit
  • Mikroorganismen
  • Geweberesten

Die Mineralien aus unserem Speichel helfen, den Zahnschmelz zu regenerieren – beispielsweise, wenn Säure aus Früchten die Oberfläche angreift. Zahnstein findet man zumeist an der Innenseite der Schneidezähne sowie an den ersten Backenzähnen im Oberkiefer. Hier liegen die Speicheldrüsen und geben die mineralhaltige Flüssigkeit ab – direkt an die Zähne.

Zahnstein ist weißlich-gelb. Durch Ess- und Trinkgewohnheiten verfärbt sich der harte Belag bräunlich – bei Rauchern kann er sogar schwarz werden!

Zahnfleischtaschen: Auch hier lagert sich Zahnstein ab

Zahnstein entsteht nicht nur auf dem sichtbaren Teil des Zahns, sondern auch in den Zahnfleischtaschen. Diese Form heißt Konkrement. An der Bildung dieser Ablagerungen an der Wurzeloberfläche ist nicht der Speichel beteiligt, sondern Sekrete aus den Zahnfleischtaschen.

Archäologen profitieren von Zahnstein und seiner Widerstandsfähigkeit

Dass sich eine Nonne aus dem westfälischen Kloster Dalheim im Mittelalter nicht so gründlich die Zähne putzte, ist das Glück heutiger Archäologen. Sie entdeckten blaue Farbe im Zahnstein der frommen Frau. Der Fund lässt vermuten: Die Nonne war als Gelehrte an der Produktion von Büchern beteiligt. Im Mittelalter feuchtete man den Pinsel zum Malen und Schreiben mit Spucke an; so könnte die seltene Farbe in den Mund gelangt sein. Aber die „Frau mit Blau“ beweist noch mehr: Zahnstein ist ein hartes Material, das wie Zahnschmelz aus Hydroxylapatit besteht und einem Zersetzungsprozess nach dem Exitus sehr lange widersteht.

Warum ist Zahnstein gefährlich?

Zahnstein hat eine poröse Oberfläche. Das wiederum ist der ideale Untergrund für Bakterien. Hier finden sie besser Halt als auf einem sauberen, glatten Zahnschmelz. Wenn diese Bakterien nicht regelmäßig entfernt werden, kann sich das Zahnfleisch entzünden. Erste Symptome sind Zahnfleischbluten und leichter Mundgeruch.

Ohne professionelle Unterstützung dehnt sich die Zahnfleischentzündung über die Zähne bis zum Kiefer aus. Dort greift sie den Zahnhalteapparat an. Das Gefährliche daran: Die Entzündung verläuft in der Regel symptomfrei und macht sich erst durch zurückgewichenes Zahnfleisch oder lockere Zähne bemerkbar. Jetzt sprechen wir nicht mehr von der Zahnfleischentzündung, sondern von der chronischen Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis).

Mehr Wissen: Parodontose oder Parodontitis? Der Name ist egal, wenn Zähne und Zahnfleisch in Gefahr sind!

Wie lässt sich Zahnstein entfernen?

Zahnstein ist extrem hart und muss mechanisch entfernt werden. Die Zahnbürste richtet nichts gegen Zahnstein aus. Regelmäßiges Zähneputzen dämmt die Bildung aber erheblich ein. Wer zweimal täglich putzt, unterbricht die Entstehung von schädlichem Zahnbelag. Dem Zahnstein ist damit die Grundlage genommen.

Die professionelle Zahnreinigung: Zahnstein vorbeugen!

Mindestens einmal im Jahr heißt es: Zahnstein entfernen lassen! Die Leistung wird bei gesetzlich versicherten Patienten einmal pro Jahr von der Krankenkasse übernommen. Wer Zahnstein effektiv bekämpfen will, sollte ein- bis zweimal pro Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen – neben der sorgfältigen Mundhygiene.

Ist die Zahnsteinentfernung schmerzhaft?

Schmerzen empfinden Patienten ganz unterschiedlich. Sicherlich wird das Zahnfleisch beim Entfernen von Zahnstein gereizt. Aber diese Irritation legt sich zügig. Bei empfindlichen Zähnen wird der Patient etwas länger spüren, dass an den Zähnen gearbeitet wurde. Wer Angst hat oder aus Erfahrung weiß, dass sich Schmerzen einstellen, sollte mit dem Zahnarzt darüber reden. Vielleicht ist eine individuelle Betäubung ja ratsam.

Kürette und Ultraschall: Die Zahnsteinentferner

Für jede Behandlung gibt es beim Zahnarzt das passende Gerät. Zahnsteinentferner arbeiten mechanisch. Die Kürette, ein Instrument aus Metall, wird von Hand eingesetzt. Der Zahnstein wird vom Zahnschmelz sachgemäß abgeschabt. Das Ultraschallgerät arbeitet mit hochfrequenten Wellen und Wärme. Durch die Vibration platzt der Zahnstein ab.

Zahnstein selbst entfernen? Das ist gefährlich!

Bloß keine Experimente! Dem harten Belag können wir nicht selber das Handwerk legen. Wer sich schützen will,

  • putzt zweimal täglich seine Zähne
  • verwendet Zahnseide, damit die Zahnzwischenräume sauber werden
  • nimmt Bürstchen für die Zahnzwischenräume
  • besucht regelmäßig seinen Zahnarzt.

Fragen & Antworten zum Thema Zahnstein

Was kostet Zahnstein entfernen?

Für Kassenpatienten ist eine Zahnsteinentfernung pro Jahr im Rahmen der Prophylaxe kostenfrei. Alle weiteren Behandlungen – wie beispielsweise die professionelle Zahnreinigung – muss der Patient in der Regel selber bezahlen. Hier können private Zusatzversicherungen die Kosten in Grenzen halten.

Wie kann ich Zahnstein vorbeugen?

Basis ist die konsequente Mundhygiene:

  • zweimal täglich Zähne putzen.
  • Zahnzwischenräume säubern.
  • Mundspülung anwenden.

Eine zuckerreduzierte Ernährung hilft, die Plaquebildung zu vermindern. Man entzieht dem Zahnstein praktisch die Grundlage.

Kann eine spezielle Zahnpasta gegen Zahnstein helfen?

Das wäre doch zu schön: Wir schmieren einen dicken Streifen Zahnpasta auf unsere Bürste und schrubben den Zahnstein einfach weg. So einfach ist es aber leider nicht! Durch regelmäßiges Putzen lässt sich die Bildung von Zahnstein verlangsamen, aber nicht aufhalten.

Mittlerweile gibt es zwar Ultraschallzahnbürsten, die mit einer noch gründlicheren Reinigung werben als gewöhnliche Bürsten – doch gegen hartnäckigen Zahnstein sind selbst sie machtlos.

Mehr Wissen: Welche Zahnpasta ist die richtige? 10 Fragen und Antworten zu gesunden Zähnen aus der Tube!

Gibt es Hausmittel gegen Zahnstein?

Nein. Man liest immer wieder, die Zähne mit Backpulver einzureiben und den Zahnstein damit abzuschmirgeln. Damit wird Schaden angerichtet! Das Backpulver raut den Zahnschmelz an und schafft kleinste Vertiefungen, in die sich Bakterien setzen. Der aufhellende Effekt ist nur von kurzer Dauer. Anschließend verfärben sich die Zähne noch schlimmer. Auch Senföl, Zitronensaft oder schlicht Kochsalz tauchen in Beschreibungen auf, um Zahnstein zu reduzieren oder Entzündungen vorzubeugen. Doch kein Hausmittel kann die klassische Mundhygiene und den regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt ersetzen.

Vorsicht vor Zahnsteinradierer, Zahnsteinentferner und Co.!

Zahsteinradierer und andere Zahnsteinentferner sind frei verkäuflich, doch auch hier muss abgeraten werden. Die Gefahr, Zähne und Mundraum zu verletzen, ist viel zu groß. Die Reinigung von Zähnen sowie das Entfernen von Zahnstein gehört in die Hände der Profis beim Zahnarzt.

Gibt es auch bei Hund und Katze Zahnstein?

Scherzhaft weist man ja in einigen Fällen auf die optische Übereinstimmung bei Hunden und ihren Besitzern hin. Aber auch organisch sind sich Mensch und Tier oft näher als man denkt. So bildet sich Zahnstein physiologisch gleich.

Bei Problemen in der Mundhöhle des geliebten Vierbeiners zählt die Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde diese Anzeichen auf:

  • Mundgeruch
  • verändertes Fressverhalten
  • Zurückgezogenheit
  • Handscheue
  • gerötetes Zahnfleisch
  • abgebrochene Zähne
  • Zahnverfärbung
  • Zubildung der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches

Halter sollten die Mundhöhle ihrer Tiere also immer gut im Blick behalten – es bildet sich auch hier Zahnstein, der entfernt werden muss. Übrigens wird der Eingriff beim Tier mit Narkose vorgenommen.

Wer Zeit hat, bei Bello für gesunde Zähne zu sorgen, schafft das bestimmt auch bei seinen eigenen. Fragen Sie in Ihrer Zahnarztpraxis nach, um weitere Informationen zum Thema Zahnstein zu erhalten.  Die Profis zeigen Ihnen gerne, wie schonend und einfach sich Zahnstein entfernen lässt.