Wer treu ist, lebt länger. Das hat eine Studie herausgefunden. Nein, hier geht es nicht um die Kunst, eine Ehe zu führen, sondern um eine andere Beziehung – die zu unserem Arzt. Zum Valentinstag (14. Februar), der ja auch als Tag der Liebenden bekannt ist, erklären wir, warum wir unserem Zahnarzt treu bleiben sollten. Aber nicht nur das: Bei Information Mundgesundheit erfahren Sie, was Sie tun können, wenn diese Beziehung in der Klemme steckt. Zum Valentinstag 2019 formen ein Zahnarzt und ein Patient mit den Händen ein Herz.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Medizinische Innovation ist nicht alles: Eine gewachsene, vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient fördert die Gesundheit.
  • Grundsätzlich darf jeder seinen Arzt selber wählen. Es gibt aber für Privatversicherte wie gesetzlich Versicherte Einschränkungen.
  • Unzufrieden mit dem Zahnarzt? Dann sollten Sie das Gespräch mit dem Behandler suchen oder zu einer Beratungsstelle gehen. Ein Wechsel ohne Begründung ist wenig befriedigend.
  • Patienten und Zahnärzte können aktiv eine entspannte Kommunikation gestalten.

Doktor-Hopping – macht alles andere als fit

Valentinstag – Liebende schenken sich ein kleines Präsent, aber vor allem Aufmerksamkeit und Zeit. Genau damit beschäftigt sich eine englische Studie der Universität Exeter aus dem Jahr 2018. Allerdings geht es hier um die Beziehung zwischen Arzt und Patient.

Professor Philip Evans von der University of Exeter Medical School erklärt: “Kontinuität der Betreuung gelingt, wenn sich Patient und Doktor wiederholt treffen und sich kennenlernen. Das führt zu besserer Kommunikation, Patientenzufriedenheit, Beachtung der medizinischen Empfehlungen und geringerer Inanspruchnahme von Krankenhaus-Dienstleistungen. Während medizinische Technologien und neuartige Behandlungen die Medizinnachrichten dominieren, wurde der menschliche Aspekt der Medizin vernachlässigt. Unsere Studie zeigt, dass er möglicherweise lebensrettend sein kann und mehr in den Vordergrund rücken sollte.”

Es wird deutlich: Ist der Austausch vertrauensvoll, regelmäßig und stabil, profitiert die Gesundheit. Der Zahnarzt hütet gemeinsam mit dem Patienten quasi das “Einfallstor” für Bakterien und Erreger. Nur über einen längeren Zeitraum kann der Zahnarzt Veränderungen im Mundraum auch wahrnehmen und daraus Schlüsse ziehen. Heißt also: Wer ständig den Zahnarzt wechselt, verschenkt die Gelegenheit einer zusammenhängenden Begutachtung.

Mehr Wissen: Zahnmediziner behandeln zwar Zähne und Mund, doch das hält den gesamten Organismus fit. Information Mundgesundheit berichtet regelmäßig über den Zusammenhang von Erkrankungen im Mund und anderen Leiden.

Jeder darf sich seinen Zahnarzt selber suchen

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern können deutsche Patienten grundsätzlich selber entscheiden, wer sie behandeln darf. Dabei kann ein gesetzlich Versicherter private Arztleistungen in Anspruch nehmen. Diese muss er dann allerdings selber bezahlen. Hilfe anderer Ärzte darf nur im Notfall in Anspruch genommen werden. Der Wechsel im Quartal, also dem Kalendervierteljahr, sollte nur bei einem wichtigen Grund passieren.

Hat sich der Patient für die hausarztzentrierte Versorgung entschieden, ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Er koordiniert die Behandlungsschritte. Zahnarztbesuche – auch Gynäkologie, Augen-, Kinder- und Jugendarzt – sind davon ausgenommen. Privatversicherte Patienten wählen ihren Arzt ebenfalls selbst. Die individuellen Versicherungsbedingungen sind hier vom gewählten Tarif abhängig.

Bei der Entscheidung für einen Zahnarzt sollte man sich selber klar machen: Was will ich?

Das können Auswahlkriterien sein:

  • Nähe zu Wohnung oder Arbeitsplatz.
  • Gute Atmosphäre und Organisation in der Praxis.
  • Nachweisbare Qualifikationen und Fortbildungen
  • Eingehende und verständliche Erklärungen aller Behandlungsschritte.
  • Nachprüfbare Kosten.

Unzufrieden? Keine Kurzschlusshandlung!

Es gibt verschiedene Gründe für den Zahnarztwechsel. Sie liegen auf der Gefühlsebene oder man kann sie schlicht im Mund spüren. Meist verbinden sich ein ungutes Gefühl und der Eindruck, hier wird medizinisch nicht sauber gearbeitet.

Auf der anderen Seite fehlt dem Patienten in der Regel das Fachwissen, um dem Arzt seine Bedenken überzeugend vorzutragen. Was tun? Wer ein offenes Gespräch scheut, kann sich zum Beispiel an die Beratungsstellen der Bundesärztekammer wenden. Das Gespräch mit Familie, Freunden oder Kollegen? Das nimmt vielleicht den ersten Ärger, aber wirklich zielführend kann es nicht sein. Selten sind Experten für zahnmedizinische Fragen dabei. Also stolpert man einfach per privater Empfehlung in die nächste Kurzzeitbeziehung zum Zahnarzt.

Wer sich auf einen Zahnarztbesuch innerlich vorbereitet, fühlt sich nicht überrumpelt. Angstpatienten haben es da schwer. Sie leiden unter schlechten Erfahrungen, die sie in der Kindheit gemacht haben. Für diese Menschen ist es besonders wichtig, sich über den Behandler gut zu informieren – der erste Schritt, die Angst in den Griff zu kriegen. Gibt es trotz innerlicher Vorbereitung Probleme: Erstmal mit dem Arzt sprechen oder eine Beratungsstelle kontaktieren!

Wir müssen reden!

Die Beziehung zwischen Zahnarzt und Patient hat sich gewandelt – man trifft sich auf Augenhöhe. Patienten sind besser informiert und Ärzte entdecken die Bereicherung durch anregende Patientengespräche. Der Weg zu einer entspannten Beziehung im Dschungel von Leistungen, die nicht von der Kasse übernommen werden und erklärungsbedürftig sind, ist nicht leicht zu finden.

Was können Patienten für ein gutes Klima tun?

  • Termine einhalten: no-show ist eine Unart, die in vielen Bereichen des Lebens um sich greift. Wenn man erkrankt oder etwas anderes, wirklich Wichtiges dazwischen kommt: Anrufen und den Termin verschieben.
  • Mit Wissen und Fragen in die Beratung gehen: Wer sich vor dem Zahnarzttermin informiert hat, braucht damit nicht hinter den Berg zu halten.
  • Ehrlich sein: Der Zahnarzt ist kein Hellseher. Zähne nicht geputzt oder die verordnete Medizin nicht genommen? Andere Erkrankungen? Wer das verschweigt, schadet sich selbst und bringt den Zahnarzt in einen unangenehme Rolle.
  • Geduld haben: Das Wartezimmer wird seinem Namen leider hin und wieder gerecht. Dafür gibt es viele Gründe. Wer dann Geduld übt, hilft sich und dem Zahnarzt.
  • Freundlich und höflich sein: Okay, wer mit schlimmen Zahnschmerzen zur Notfallsprechstunde kommt, hat wenig Sinn für sein Umfeld. Alle anderen Patienten sind eingeladen, an einer guten Atmosphäre in der Praxis mitzuwirken.

Mehr Wissen: Falls der Zahnarzt des Vertrauens einmal gerade nicht in der Nähe ist, können Sie die Zeit bis zum Besuch beim Zahnarzt mit ein paar Hausmitteln gegen Zahnschmerzen gut überbrücken! 

Was dürfen Patienten vom Arzt erwarten?

  • Ausreichend Zeit: Das kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Manch ein Patient fühlt sich nach einer sachgerechten, konzentrierten sowie zügigen Beratung und Behandlung bestens aufgehoben. Manchmal ist eine ganz andere Ansprache notwendig – nicht nur fürs Wohlbefinden, sondern auch den Therapieerfolg. Senioren, Kinder oder Angstpatienten brauchen mehr Aufmerksamkeit und somit Zeit.
  • Verständliche Erklärungen: Okklusion, Bruxismus, Approximalkaries … wie bitte? Sie betreten keinen Vorlesungssaal an der Uni, sondern eine Zahnarztpraxis. Ihr Zahnarzt sollte alles rund um die Behandlung für Sie verständlich und nachvollziehbar erläutern. Sonst: Mund aufmachen und nachfragen!
  • Gemeinsam Entscheidungen treffen: Im Fall einer Behandlung sollte der Zahnarzt Sie einbinden. Klar aufzeigen: Das ist der Befund. Das schlage ich vor. Gehen Sie mit? Nein? Was sollten wir ändern? Dafür müssen Sie sich aber auch gesprächsbereit zeigen! Alles abnicken und hinterher meckern, gilt nicht.
  • Übersichtliche Kostenaufstellung: Eigentlich sind Sie mit der Behandlung und Betreuung bisher zufrieden? Warum sollten Fragen zu Behandlungskosten, die Sie selber tragen müssen, jetzt die gute Beziehung zerstören? Auch hier gilt: Nachfragen! Lassen Sie sich Kosten und Nutzen erklären. Unter Umständen finden Sie gemeinsam eine Alternative in einem Teilbereich. Es gibt zum Beispiel Zahnärzte, die Ratenzahlung von Implantat oder Brücke anbieten. Den Behandler wechseln, ist keine Lösung – Sie fangen von vorne an.
  • Ein gutes Praxisklima: Der Zahnarzt ist fachlich spitze, zu Ihnen zuvorkommend aber sein Team wird rumkommandiert? Da darf man skeptisch sein. Ein Hinweis ist wohl auch nicht angebracht – die Praxis gehört nicht Ihnen. Solidarisierung mit dem Team nützt auch nicht. Da heißt es an eine Beziehung aus Vernunft glauben oder wirklich wechseln.

Unser Fazit: Für gesunde Zähne müssen beide – Zahnarzt und Patient – etwas tun. Neben der täglichen Zahnpflege zu Hause sollte mindestens zweimal pro Jahr die Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt erfolgen. Ohne Druck lernt man sich kennen und baut Vertrauen auf. Tut der Zahn wirklich mal weh, gelingt die Behandlung auf vertrauensvoller Basis besser. Treue lohnt sich also für beide Seiten. Der Patient profitiert von gesunden Zähnen und der Arzt von Patienten, die gerne und regelmäßig zur Vorsorge kommen.

Über den Valentinstag:

Der Valentinstag wird jedes Jahr am 14. Februar gefeiert. Namensgeber ist vermutlich der heilige Valentin, der sich im 3. Jahrhundert gegen ein Gesetz von Kaiser Claudius Goticus stellte, welches Soldaten untersagte zu heiraten. Der Überlieferung nach traute Valentin die Liebenden heimlich und schenkte ihnen Blumen. Für diesen Verstoß wurde er am 14. Februar 268 hingerichtet. Quelle: Kleiner Kalender