Was kann man gegen Zahnschmerzen tun? Diese Frage gab es schon im 14. Jahrhundert, so viel ist sicher. Sonst hätte sich Theophrastus Bombast von Hohenheim wohl kaum so intensiv mit den Zusammenhängen von Zähnen und der Allgemeingesundheit beschäftigt. Von ihm stammt die These: An jedem Zahn hängt ein Mensch! Ob der Mediziner, der sich auch Paracelsus nannte, selber zu den Geplagten gehörte, ist nicht bekannt. Wir wissen aber, dass er nicht ganz falsch lag. Zum Weltgesundheitstag (7.April) erklären wir – zum Teil erstaunliche – Zusammenhänge.

Großvater trägt Kind auf den Schultern und beide lachen. Zum Weltgesundheitstag 2018 geht es um den Einfluss der Mundgesundheit (Parodontitis / Parodontose / Karies) auf den Körper und auf unsere allgemeine Gesundheit!

Magenkrebs und Parodontitis

Der Zahnarzt predigt es immer wieder: Eine gute Prophylaxe ist wichtig, um gesund zu bleiben. Und damit hat er natürlich Recht!

Erst kürzlich haben Forscher des New York University College of Dentistry und der New York University School of Medicine einen Zusammenhang zwischen einer fehlenden Parodontitis-Behandlung und einem erhöhten Risiko für Magenkrebs gefunden. Sie nahmen dafür von rund 100 Personen Speichel- und Plaqueproben. Bei einem Drittel fanden Sie Gewebsveränderungen, die als Vorstufen von Krebs gelten können.

Erstaunlich: Bei den Studienteilnehmern konnten deutlich mehr Krankheitserreger nachgewiesen werden, die auch bei Zahnfleischentzündungen und einer chronischen Zahnbettentzündung vorkommen. Außerdem fehlte es den Teilnehmern an einer bakteriellen Vielfalt im Speichel und Plaque. Für die Wissenschaftler der Beweis: Die Parodontitis erhöht das Risiko für Magenkrebs.

Wie Karieserreger Hirnblutungen verursachen

Häufig bleibt es nicht nur bei Zahnschmerzen. Wenn Kariesbakterien Löcher in die Zähne fressen, ist auf lange Sicht nicht nur der Zahn in Gefahr. Japanische Forscher fanden heraus, dass Karieserreger Hirnblutungen verursachen können. Sie nahmen Speichelproben von hunderten Schlaganfallpatienten und fanden bei etwa der Hälfte einen der wichtigsten Erreger für Karies: den Streptococcus mutans.

Gelangt dieser Erreger in die Blutbahn, steigt die Gefahr für Blutungen im Gehirn. Besonders gefährdet sind Gefäße, die bereits durch hohen Blutdruck oder altersbedingt vorgeschädigt sind.

Zum Thema: Keine Angst vor dem „Streptococcus mutans“? Prophylaxe senkt Risiken für Herz und Gehirn!

Zähne und Depressionen

Nicht nur die Psyche spielt bei Depressionen eine Rolle. Es gibt Studien, die belegen: Entzündungen im Körper können an der Entstehung von Depressionen beteiligt sein. So fanden Forscher heraus, dass bei Menschen mit einer entsprechenden psychischen Erkrankung bestimmte Immunzellen aktiver waren als bei den gesunden Studienteilnehmern.

Im Verdacht steht hier vor allem die Zahnwurzelentzündung. Das Immunsystem wehrt sich gegen die Erkrankung und sendet Botenstoffe an das Gehirn. Dort wird die Entzündung registriert und ein typisches Krankheitsgefühl ausgelöst. Wir ziehen uns zurück, gönnen uns Ruhe und isolieren uns.

Experten nennen das “Sickness-Behaviour”. Die Reaktion des Körpers ist logisch, denn wer krank ist, sollte sich schonen. Wird die Zahnwurzelentzündung jedoch nicht entdeckt, kann die dauerhafte Antriebslosigkeit zum Symptom einer echten Depression werden. Denn nicht immer ist eine Zahnwurzelentzündung mit Zahnschmerzen verbunden.

Darmkrebs und Parodontitis

Wir wissen ja bereits: Die Parodontitis (Parodontose) meint es nicht gut mit unserer Gesundheit. Wie amerikanische Forscher herausgefunden haben, kann die chronische Entzündung des Zahnbetts sogar das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Schuld daran sind die sogenannten Fuso-Bakterien, die an der Entstehung von Parodontitis beteiligt sind

Dieses Bakterium regt das Immunsystem an, bestimmte Zellmechanismen zu aktivieren. Doch dadurch werden gleichzeitig Schalter für bestimmte Tumorzellen in Gang gesetzt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass im Gewebe von gesunden Menschen wesentlich weniger Fusobakterien in einer abgewandelten Form zu finden sind als bei Personen mit Darmtumoren. Damit könnte dieses Bakterium ein wichtiger Marker für die Entstehung von Darmkrebs sein.

Erektionsstörungen durch Zahnfleischentzündung

Eine Zahnfleischentzündung kann die Potenz lahmlegen. Bei einer Parodontitis leidet im schlimmsten Fall nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch die Endothelzellen. Die sorgen unter anderem für den Blutfluss im Penis und können durch die chronische Entzündung geschädigt werden.

Den verblüffenden Zusammenhang entdeckten Forscher aus Taiwan. Sie untersuchten 5000 Männer mit Erektionsstörungen und fanden heraus, dass 79 Prozent von ihnen gleichzeitig auch an einer Parodontitis leiden.

Parodontitis und Rheuma

Rheuma und Parodontitis treiben ein ungesundes Wechselspiel mit unserer Gesundheit. Forscher fanden heraus, dass Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis bis zu acht Mal häufiger an Parodontitis erkranken als gesunde Menschen. Wird die chronische Entzündung des Zahnbetts hingegen konsequent behandelt, sinken auch die Entzündungsmarker im Blut der Rheuma-Patienten.

Zum Thema: Rheuma? Immer auch Zähne und Kiefer checken!

Wurzeltote Zähne und Verdauungsstörungen

Auch der Darm kann mitleiden, wenn es den Zähnen nicht gut geht. In der ganzheitlichen Zahnmedizin gehen die Mediziner davon aus, dass ein toter Zahn auch für Störungen des Verdauungssystems sorgen kann. Sie bezeichnen ihn deshalb als sogenannten Zahnherd. Die Forscher sind der Meinung, dass der abgestorbene Zahn eine dauerhafte Belastung für den Körper darstellt. So sollen Bakterien aus dem toten Zahn in den Organismus vordringen und unter anderem den Verdauungstrakt aus dem Gleichgewicht bringen.

Zahnherde: “Ein Zahnherd ist ein lokaler, genau abgegrenzter Krankheitsprozess am Zahn sowie umgebenden Gewebsstrukturen, der in Wechselwirkung mit dem ganzen Körper steht und Ursache für chronische Erkrankungen oder Schmerzen sein kann. Zahnherde bergen somit ein hohes gesundheitliches Risiko.” (Quelle: GZFA)

Ohrenschmerzen und Weisheitszähne

Kiefer, Zähne und Ohren liegen eng zusammen. Kein Wunder, dass sich hier schmerzhafte Wechselwirkungen ergeben. Gebissfehlstellungen oder schief wachsende Weisheitszähne können auf die Ohren ausstrahlen und ein Sausen oder Tinnitus verursachen.

Das passiert vor allem, wenn der Weisheitszahn nicht durchgebrochen ist und auf die Wurzel des davorliegenden Zahns drückt. Häufig äußert sich das in unklaren Gesichts- oder Ohrenschmerzen.

Zum Thema: Kein Platz für die Nachzügler – wann Weisheitszähne raus müssen

Parodontitis und Lungenentzündung

Gesunde Menschen erkranken nur selten an einer Lungenentzündung. Bei ihnen funktioniert das Immunsystem als zuverlässiges Abwehrsystem. Anders sieht die Sache aus, wenn das körpereigene Antivirus-Programm geschwächt ist. Erreger haben es leichter, zum Beispiel für eine Lungenentzündung zu sorgen.

Der Zusammenhang zwischen chronischen Atemwegserkrankungen und einer schlechten Mundhygiene ist amerikanischen Wissenschaftlern in einer Studie aufgefallen. Patienten mit Atemwegserkrankungen hatten mehr Zahnstein und mehr kranke Zähne als die gesunden Studienteilnehmer.

Parodontitis in der Schwangerschaft

Auch ein Zusammenhang zwischen Parodontitis (im Volksmund auch Parodontose genannt) und Frühgeburten bzw. Neugeborenen mit unterdurchschnittlichem Geburtsgewicht wird oft diskutiert. In den vergangenen Jahren sind die Wissenschaftler hier zu unterschiedlichen Erkenntnissen gelangt.

Fest steht: Die Ursachen für untergewichtige Neugeborenen sind vielfältig und Zahnbettentzündungen können ein zusätzliches Risiko darstellen.

So schreibt die Initiative proDente e. V. in einem Artikel aus dem Jahr 2015:

“Auch wenn letzte Klarheit nach wie vor nicht gegeben ist: Wissenschaftler in Europa, den USA und in Japan sind sich einig, dass für Frühgeburten und untergewichtige Neugeborene jene Stoffe mitverantwortlich sind, die von den Bakterien gebildet werden, die die Parodontalerkrankung auslösen. Der Parodontologe Dr. Matthias Folwaczny, Privatdozent und Oberarzt an der Universitätszahnklinik München, sagt: „Im Wesentlichen sind das sogenannte Endotoxine, giftige Bestandteile der Bakterienzellen, die Zahnfleischentzündungen verursachen, und sogenannte Zytokine. Das sind wiederum Signalstoffe, die die Abwehrkräfte des Körpers, das eigene Immunsystem also, beim Kampf gegen die schädlichen Bakterien erzeugen.“ Diese Stoffe gelangen in den Blutkreislauf der Mutter und belasten bei entsprechender Konzentration auch die Blutversorgung der Plazenta und damit die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Dies kann dann zu vorzeitigen Wehen und damit zu Frühgeburten führen. Die Folgen für das zu früh geborene Kind sind bekannt: in der Regel deutlich verzögerte körperliche Entwicklung und erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten.”

Zahnvorsorge in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft wächst nicht nur der Bauch, sondern auch die Gefahr für Zahnfleischentzündungen. Die Hormone werden ordentlich durcheinander gebracht, was zu einer stärkeren Durchblutung des Zahnfleischs führt. Es ist häufiger angeschwollen und anfälliger für Bakterien.

Zum Thema: Schwanger? Zur Vorsorge in die Zahnarztpraxis!

Ob Diabetes oder Herzinfarkt: “Gesunde Zähne – gesunder Mensch!”

Es gibt noch weitere bekannte  Zusammenhänge zwischen Mund und Körper – und hier können wir alle etwas für unsere Gesundheit tun. So senken wir mit einer gesunden Ernährung und regelmäßiger professioneller Zahnpflege die Risiken für einen Diabetes. Auch die Zuckerkrankheit und unsere Mundgesundheit beeinflussen sich gegenseitig.

Zum Thema: Diabetes und Parodontitis – eine ungesunde Kombination!

Weitere Folgen einer unbehandelten Parodontitis:

  • Knochenabbau
  • Erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Zahnverlust
  • Rückgang des Zahnfleisches

Lassen Sie es nicht soweit kommen: Ihr Zahnarzt hilft Ihnen und Ihrer Familie gesund zu werden und gesund zu bleiben!


Zum Weltgesundheitstag: Der Weltgesundheitstag wird jedes Jahr am 7. April gefeiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erinnert mit diesem speziellen Feiertag an die Gründung 1948. Dazu legt die WHO jedes Jahr ein Thema von besonderer Relevanz fest, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dafür zu gewinnen. In diesem Jahr heißt das Motto: „Universal Health Coverage“, also flächendeckende Gesundheitsversorgung.