Schon die Großmutter wusste die Fähigkeiten des Speichels zu schätzen. Kaum hatte sich das Kind gestoßen, war Oma mit etwas Spucke zur Stelle. Heute jagt die Polizei mit Speichelproben Verbrecher und Forscher fahnden in unserer Spucke nach neuen Hinweisen auf Krebserkrankungen und Burnout. Der Speichel ist ein Alleskönner. Weitere erstaunliche Fähigkeiten im Blog!

Speichel schützt vor Karies & Entzündungen

Bis zu eineinhalb Liter täglich produzieren unsere Speicheldrüsen von dem flüssigen Alleskönner. Das ist gut für unsere Zähne, denn die brauchen den Speichel als Schutz vor Karies. Besonders nach sauren Getränken und Süßigkeiten ist es wichtig, dass die Spucke fließt. So werden herausgelöste Mineralien wie Fluorid und Kalzium von dem Speichel zurück zum Zahnschmelz transportiert. Dadurch bleibt das natürliche Abwehrsystem des Zahns aktiv und das Kariesrisiko wird verringert.

Aufgaben des Speichels:

  • Nahrung zerkleinern
  • Hält Mundhöhle feucht und erleichtert das Sprechen, Kauen und Schmecken
  • Wirkt als Puffer für schädigende Säuren
  • Fördert die Wundheilung
  • Erleichtert Vorverdauung von Lebensmitteln

Darüber hinaus sorgt der Speichel für saubere Verhältnisse im Mund. Während wir uns morgens nach dem Frühstück auf den Weg zur Arbeit machen, wischt die Spucke nach dem Brötchen einmal feucht durch. Dabei werden Speisereste entfernt, die Bakterien im Mund als Nahrung dienen. Von dieser Selbstreinigung bekommen wir nichts mit. Doch sie ist wichtig, um schädlichen Zahnbelag vorzubeugen, der Entzündungen verursachen kann.

Speichel bestimmt den Geschmack

Die Spucke beeinflusst unsere Gesundheit aber noch in anderen Bereichen, ohne dass wir davon immer etwas mitbekommen. Brokkoli, Rosenkohl und Chicorée mögen dem einen oder anderen bisher nicht geschmeckt haben. Das muss nicht unbedingt an der persönlichen Abneigung gegenüber Gemüse liegen, sondern kann mit dem Speichel zu tun haben. Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, hängt unser Geschmacksempfinden auch von der Zusammensetzung des Speichels ab. Demnach bestimmen Proteine in der Spucke, wie intensiv wir etwas schmecken.

Besonders auf bittere Lebensmittel reagiert unsere Zunge sehr empfindlich. Dafür sorgen ca. 25 Bitter-Rezeptoren. Zum Vergleich: Für die Geschmacksempfindung „Süß“ hat man bisher nur einen Rezeptor gefunden. Das hängt mit der Evolution zusammen. Unsere frühesten Vorfahren mussten beim Sammeln von Früchten und Pflanzen zwischen giftig und ungiftig unterscheiden können. Und da die meisten giftigen Substanzen fast immer bitter schmecken, hat sich ihr Geschmacksempfinden angepasst.

Die Forscher ließen dazu Testpersonen eine Woche lang dreimal am Tag Schokomandelmilch mit dunkler Schokolade trinken und die Bitterkeit bewerten. Die Wissenschaftler untersuchten dazu regelmäßig den Speichel und stellten fest, dass er sich veränderte. Die Zahl der Proteine, die Bitterstoffe binden können, stieg an und gleichzeitig bewerteten die Testpersonen die Schokomilch als weniger bitter. Die Schlussfolgerung der Forscher: Der Körper passt sich an, um die negativen Empfindungen beim Verzehr bitterer Lebensmittel auszugleichen. Für die Verweigerer von Brokkoli, Rosenkohl und Chicorée heißt das, dass sie nur lange genug durchhalten müssen – irgendwann sorgt der Körper schon selbst dafür, dass es ihnen schmeckt.

Risiko für Burnout: Der Speichel verrät es

Forschern gelingt es immer wieder, erstaunliche Geheimnisse des Speichels zu entschlüsseln. Vor allem die Auswirkungen vom Mund auf den Rest des Körpers sind spannend. So fanden Wissenschaftler der MedUni Wien heraus, dass sich mit Hilfe einer Speichelprobe das Risiko für ein Burn-Out ziemlich exakt bestimmen lassen kann. Hinweise über das Erschöpfungssyndrom liefert das Antistresshormon Cortisol.

Fakten über den Speichel:

  • Besteht zu 99,5% aus Wasser, 0,5% sind gelöste Bestandteile
  • Wird von den kleinen Speicheldrüsen in der Mundschleimhaut und den großen Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse, Unterkieferdrüse, Unterzungendrüse) gebildet
  • Speichel kann zäh (mukös) oder dünnflüssig (serös) sein – je nachdem, welche Speicheldrüse gerade aktiv ist

Dieses Hormon wird vor allem beim Aufstehen ausgeschüttet und bringt den Kreislauf in Schwung. Bei gesunden Menschen sinkt es im Laufe des Tages wieder, bis am Abend nahezu kein Cortisol mehr messbar ist. Anders sieht es bei Menschen aus, die unter Dauerstress stehen: Um mit der Belastung fertigzuwerden, hält der Körper den Cortisol-Spiegel hoch. Unabhängig vom Tagesrhythmus fällt es den Betroffenen schwer, runterzufahren. Das lässt sich anhand des Cortisol-Spiegels messen – und zwar mit einer Genauigkeit von nahezu 100 Prozent.

Spucke lindert Schmerzen und lässt Wunden heilen

Unsere Großmütter mussten keine Studien lesen, um zu wissen: Spucke hilft gegen Schmerzen. Ob Insektenstich, Beule oder Schnitt im Finger – der Speichel floss, sobald das Kind Aua schrie. Und Großmutters Theorie von der schmerzstillenden Spucke ist gar nicht so weit hergeholt. Denn tatsächlich enthält unser Speichel das natürliche Schmerzmittel Opiorphin. Bei Tierversuchen hat die Substanz sechs Mal besser gewirkt als Morphium!

Speichelproben

Die Polizei geht schon seit langer Zeit mit Speichelproben auf Verbrecherjagd. Mit Hilfe von winzigsten Resten an Bierflaschen und Zigarettenkippen können die Rechtsmediziner einen genetischen Fingerabdruck herstellen. Speichelproben geben aber nicht nur Aufschluss über Verbrechen, sondern werden auch genutzt, um zum Beispiel Virusrekrankungen wie Hepatitis nachzuweisen.

Und wer Großmutter eine Freude machen möchte, kann ihr die Ergebnisse einer weiteren Studie vorlegen: Die Spucke soll nämlich nicht nur den Schmerz stillen, sondern auch die Wunde heilen können. Das haben Forscher des Universitätszahnklinikums Amsterdam herausgefunden. Die Eiweißsubstanz Histatin, die in unserem Speichel enthalten ist, kann demnach Wunden in Rekordzeit heilen. Anlass für die Untersuchung war die Tatsache, dass Wunden im Mundraum schneller verheilen als auf der Haut.

Speicheltest für Mundhöhlenkrebs

Vielleicht ist die Forschung bald schon so weit, ernsthafte Krankheiten wie Mundhöhlenkrebs und Alzheimer anhand einer Speichelprobe zu erkennen. Erste Erfolge gibt es bereits. So haben amerikanische Wissenschaftler um den Speichelforscher Dr. David Wong bestimmte Eiweiße und Moleküle, sogenannte Boten-RNA, als Biomarker für Krebserkrankungen entdeckt. Dafür nahmen sie Speichelproben von über hundert gesunden und erkrankten Patienten. Im Vergleich zu den Proben gesunder Teilnehmer wiesen diese Boten-RNA Veränderungen auf. An vier dieser Zellen konnten sie ablesen, ob jemand Krebs hatte oder nicht.

#FragDenZahnarzt: Die Mundschleimhaut im Visier – der Zahnarztbesuch als Krebsvorsorge

Diese Biomarker könnten dabei helfen, Krebs zu erkennen, bevor er weiteren Schaden im Körper anrichtet. Bisher sind aber noch keine klinischen Anwendungen bekannt.

Gefahr Mundtrockenheit: Wenn die Spucke wegbleibt

Der Speichel spielt also eine größere Rolle in unserem Lebensfluss, als wir vielleicht angenommen haben. Er kann uns dabei helfen, gesund zu bleiben. Voraussetzung dafür ist aber, dass genug Speichel fließt. Krankheiten, Stress  und Medikamente können den Mund trockenlegen. Dann funktioniert der Schutz durch den Speichel nicht. Besonders ältere Menschen sind von davon betroffen. Das kann der Gesundheit schaden.

#FragDenZahnarzt: Warum kann Mundtrockenheit gefährlich für die Zähne werden?

Der Zahnarzt hilft dabei, den Speichel wieder fließen zu lassen. Dafür kann zum Beispiel eine Umstellung der Medikamente sinnvoll sein, die aber unbedingt in Rücksprache mit dem Hausarzt stattfinden sollte. Fragen Sie in Ihrer Zahnarztpraxis nach Möglichkeiten, Ihren Mund wieder zur gesunden Nasszone werden zu lassen.