Es vibriert, es schäumt und es tut so gut! Woran denken Sie denn jetzt? Also wir sprechen vom Zähneputzen mit der elektrischen Zahnbürste und nicht von einer ekstatischen Schaumparty. Aber: Die Mundhygiene hat mehr mit Sex zu tun als “Mann“ glaubt. Zum “Weltmännertag“ am 3. November schauen wir unter die Gürtellinie und erklären, was die Mundgesundheit damit zu tun hat.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Erektionsstörungen haben verschiedene – meist physiologische – Ursachen und lassen sich gut behandeln.
  • Der Betroffene sollte mit seinem Hausarzt offen reden. Der zieht unter Umständen Kolleginnen und Kollegen, auch aus der Zahnmedizin, hinzu.
  • Bakterien lösen Parodontitis aus. Die Entzündungserreger gelangen vom Zahnhalteapparat in die Blutgefäße des gesamten Organismus.
  • Sie können auch die Blutgefäße des Penis angreifen.
  • Die Erektionsschwäche kann ein Hinweis auf allgemeine Durchblutungsstörungen sein.
  • Prophylaxe senkt die Risiken für Parodontitis, Karies, erektile Dysfunktion und andere Erkrankungen.

Hintergründe: Was ist eine erektile Dysfunktion (ED)?

Die Lust ist da. Aber warum schläft einer der Hauptakteure? Männer werden beim Thema “erektile Dysfunktion” – die auch als Impotenz bezeichnet wird – hellwach. Drei Aspekte definieren die Erektionsstörung:

  • Das Glied des Mannes wird nicht ausreichend steif für den Geschlechtsverkehr.
  • Die Erektion kann bis zum eigenen Orgasmus nicht gehalten werden.
  • Die Schwäche zeigt sich regelmäßig in einem Zeitraum von sechs Monaten.

Bis zur Jahrtausendwende hielt man psychologische Störungen für die Hauptursache einer Erektionsstörung. Heute geht man in den meisten Fällen von einer physiologischen – körperlichen –  Einschränkung aus. Dazu gehören beispielsweise:

  • Veränderungen am Penis direkt
  • eine gestörte Blutversorgung wie Arteriosklerose
  • Nervenprobleme ausgelöst durch einen Diabetes
  • generell steigen Risiken einer erektilen Dysfunktion mit dem Alter

Es scheint, “der beste Freund des Mannes“ setzt sich leicht und spielerisch in Szene. Doch die Erektion ist eine hochkomplexe Angelegenheit, bei der sogenannte Schwellkörper mit Blut gefüllt werden. Blutgefäße, Nervensystem, Hormone und Muskeln sind beteiligt. Stimmt mit einer Komponente etwas nicht, herrscht Hängen im Schacht.

Erreger, die abturnen: Potenzprobleme durch Parodontitisbakterien

Was passiert? Bakterien lösen Parodontitis aus. Diese Erreger gelangen bis in die Nervenbahnen und Blutgefäße. Der Effekt: Durchblutungsstörungen. Die Bakterien beeinträchtigen die Endothelzellen. Das Endothel kleidet die Gefäße des Herz-Kreislauf-Systems aus. Es reguliert unter anderem den Blutdruck sowie die Spannung der Gefäßmuskulatur.

Die Störung des Endothels wirkt sich auch auf die “Manneskraft aus. Die Spannung ist schlicht raus!

Mehrere Studien zeigen den Zusammenhang von chronischer Parodontitis, der Entzündung des Zahnhalteapparates, und einem schlaffen Glied – trotz starker Lustgefühle. So berichteten Wissenschaftler  im Journal of Clinical Periodontology (2018) über die Zusammenhänge von Erektionsstörungen und der Mundgesundheit. Sie untersuchten 158 Männer – unter ihnen 80 mit nachgewiesener ED (erektile Dysfunktion). Das wichtigste Ergebnis der Studie:

  • 74 % der betroffenen Männer hatten neben der erektilen Dysfunktion auch eine Parodontitis. Das hieß für die Forscher: Das Risiko einer Impotent verdoppelt sich, wenn eine chronische bakterielle Entzündung im Mund vorliegt!

Zur Studie: „Chronic periodontitis is associated with erectile dysfunction. A case–control study in european population“

Potenzprobleme – medizinische Aufklärung hilft grundsätzlich

Ursachen für Erektionsstörungen sind vielfältig, die bekanntesten:

  • Erschlaffen der Muskulatur im Alter.
  • Unlust durch Depression.
  • Schädigung der Nerven durch jahrelang erhöhten Blutzucker.

Darüber wird öffentlich informiert. Gut so! Betroffene sind erleichtert: Ich bin nicht alleine und vor allem kein Versager. Es gibt nachvollziehbare Gründe für mein Leiden.

Auch die Arteriosklerose wird im Zusammenhang mit erektiler Dysfunktion genannt. Die krankhafte Einlagerung von Cholesterin an der Innenwand der Arterie verengt die Gefäße. Das Blut kann nicht richtig fließen. Es kommt zur Unterversorgung mit Sauerstoff im gesamten Organismus. Auf unseren speziellen Fall angewandt: Auch der Penis wird nicht ausreichend mit Blut versorgt. Das fehlt in den Schwellkörpern.

Wo genau der Grund für die erektile Dysfunktion auch liegt: “Mann” sollte darüber mit dem Arzt des Vertrauens reden. Sie signalisiert andere Erkrankungen. Wer das ernst nimmt, schützt sich und steigert das Wohlbefinden.

Der Männerarzt – es gibt ihn wirklich! 

Jede Menge Aufklärung und Informationen rund um die Männergesundheit – und natürlich die Manneskraft – gibt es auf der Internetseite MÄNNER-GESUNDHEIT des Hamburger Urologen Prof. Dr. med. Frank Sommer. Bitte nicht verwechseln mit dem fiktiven Dr. Sommer, der sich seit 1969 in der Jugendzeitschrift BRAVO zu Fragen der Sexualität äußert.

Prävention in der Zahnarztpraxis: Die Mundgesundheit als Basis

Gesund beginnt im Mund! Das gilt – wie wir jetzt wissen – nicht nur für ein ungestörtes Liebesleben. Die Parodontitis – die chronische Entzündung des Zahnbettes – erhöht unter anderem die Risiken für:

  • Herzinfarkt
  • Hirnschlag
  • Rheumatoide Arthritis
  • Lungenentzündung
  • untergewichtige Frühgeburten

Weitere Informationen wie Zahn- und Zahnfleischerkrankungen der Gesundheit schaden, finden Sie in unserem Artikel „Von Krebs bis Impotenz: So können Erkrankungen im Mund unserer Gesundheit schaden“

Die erektile Dysfunktion kann ebenfalls mit der Parodontitis einhergehen. Hilfe liegt hier sozusagen “auf der Hand“. Damit nicht nur die Zähne, sondern auch die Potenz erhalten bleibt, muss man der Parodontitis vorbeugen. Ist sie schon da, kann sie zwar nicht geheilt werden. Aber man bekommt sie durch verschiedene Maßnahmen in den Griff:

  • Mindestens zwei mal pro Jahr die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Empfiehlt der Zahnarzt kürzere Abstände zur Untersuchung und Behandlung: unbedingt einhalten.
  • Die zahnärztliche Prophylaxe zeigt das persönliche Parodontitisrisiko. Danach richten sich die Behandlungen. Bei der Professionellen Zahnreinigung (PZR) werden die Zähne, die Zahnfleischtaschen und die Zahnzwischenräume schonend und gründlich gereinigt. Patientinnen und Patienten erhalten praktische Tipps für die Zahnpflege zu Hause.

Apropos zu Hause: Im Badezimmer erst mal nicht ablenken lassen von verführerischen Negligés oder schäumender Schönheit unter der Brause. Ein echter Kerl zieht sein tägliches Mundhygieneprogramm knallhart durch: Zahnseide verwenden, zweimal pro Tag für drei Minuten rüttelnd mit der BASS-Technik putzen und dafür fluoridhaltige Zahncreme verwenden.

Wie die BASS-Technik funktioniert, lesen Sie in unserem Artikel: 10 Fakten zum Zähneputzen – Fehler erkennen und vermeiden

Zahnputzmuffel Mann?

Gesunde Zähne sind echt sexy und steigern die Attraktivität. Zudem hält die Mundgesundheit fit – Frauen und Männer. Das starke Geschlecht nimmt die Vorsorge beim Zahnarzt – wie bei anderen Medizinern auch – allerdings eher auf die leichte Schulter.

Laut einer Online-Umfrage aus dem Jahre 2015 putzen 84 % der Frauen mindestens zweimal täglich ihre Zähne, bei den Männern sind es nur 62 %. Rund ein Drittel der Männer putzt sogar nur einmal am Tag die Zähne. Also Jungs: Ran in die Bürste – es lohnt sich in jedem Fall!

Fachärzte für Männermedizin der Universität Wien, die sich auch theoretisch mit der Fortpflanzung befassen, haben im Jahr 2000 den Weltmännertag ins Leben gerufen. Am 3. November jeden Jahres lenken sie den Blick auf die geringere Lebenserwartung von Männern und sensibilisieren für einen gesünderen Lebenswandel.