Die Ferien verbringt Leon bei seiner lieben Oma Berta. “Morgens und abends die Zähne putzen!”, mahnt sie im gespielt strengen Ton. Da wird das Schulkind aufmerksam: Oma benutzt ja niemals Zahnseide! Und warum sind die Borsten ihrer Zahnbürste so krumm? Das hat Leon aber ganz anders drauf und erklärt seiner Oma 10 häufige Fehler rund um das Zähneputzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die häusliche Mundhygiene und Pflege von Zähnen und Zahnfleisch ist die Grundlage einer optimalen Mundgesundheit.
  • Bakterieller Zahnbelag muss 2 mal täglich gründlich entfernt werden, um das Risiko für Entzündungen im Mund zu vermeiden.
  • Vor allem der Zahnfleischrand und die Zahnzwischenräume müssen optimal gereinigt werden – und auch die Zunge nicht vergessen.
  • Elektrische Zahnbürsten haben viele Vorteile, aber das Wichtigste ist: Hauptsache putzen!
  • Zahnseide und / oder Zahnzwischenraumbürsten sind genauso wichtig wie die Zahnbürste.
  • Bereits im Kindergarten und in der Schule werden Kinder über die Mundgesundheit aufgeklärt. Das zeigt positive Effekte: Acht von 10 der 12-jährigen Kinder sind heute kariesfrei. Die Zahl der kariesfreien Gebisse hat sich in den Jahren von 1997 bis 2014 verdoppelt.
  • Jeder Altersgruppe profitiert von sorgfältigem Zähneputzen. Aber damit ist es nicht getan: Vorsorgeuntersuchungen und die Professionelle Zahnreinigung bilden mit der häuslichen Zahnpflege das richtige Paket für Wohlbefinden und Gesundheit.

Fehler 1: Alle Zahnbürsten putzen gleich

Nein. Es kommt weder auf die Farbe noch auf den Preis einer Zahnbürste oder Zusatzfunktionen wie Lamellen für die Zungenreinigung an, sondern auf die Größe des Bürstenkopfes. Oder sagen wir lieber: Der Bürstenkopf darf klein sein. Mit einem kleinen Bürstenkopf erreicht man auch die hinteren Backenzähne gut und kann besser im Mund “manövrieren”. Die Borsten selbst sollten weich sein, denn harte Borsten garantieren kein besseres Ergebnis. Im Gegenteil: Harte Borsten reiben stark am Zahnschmelz und tragen diesen auf Dauer ab.

Leons Tipp für Oma Berta: Beim Kauf der Zahnbürste auch auf Nachhaltigkeit achten. Es gibt komplett kompostierbare Bürsten und so kann auch die Oma Plastikmüll vermeiden.

Fehler 2: Es kommt nicht darauf an, wie lange man putzt

Nein. Man sollte mindestens zwei Minuten putzen und sich besser drei Minuten dafür Zeit nehmen. Mit dem kurzen “Drüberhuschen” werden weder die Beläge noch die Essensreste zuverlässig entfernt. Bakterien finden – oder noch schlimmer – behalten ihren Nährboden. Sie produzieren Säure, die den Zahnschmelz angreift. Das Ergebnis sind Karies sowie Entzündungen von Zahnfleisch, Zahnbett und Kieferknochen.

Leons Tipp für Oma Berta: Mit Musik geht alles besser! Vom “Hummelflug” aus der Feder des Komponisten Rimski-Korsakow mit einer Länge von 3 Minuten und 25 Sekunden. Bis zu “Lucy in the Sky with Diamonds” der legendären Beatles mit einer Länge von 3 Minuten und 28 Sekunden ist alles gut, was unterhält und die Zahnputzzeit sinnvoll akustisch untermalt. “Hören kann ich ja noch ganz gut”, meint die Oma ironisch.

Fehler 3: Festes Schrubben hilft viel

Nein. Mit starkem Druck auf die Borsten entfernt man nicht nur die Beläge, sondern zusätzlich den Zahnschmelz. Der Mantel um jeden Zahn ist zwar das härteste Gewebe des menschlichen Körpers, aber es ist angreifbar. Freiliegende Zahnhälse reagieren besonders empfindlich auf eine ruppige Behandlung. 

Leons Tipp für Oma Berta: Sanft putzen und außerdem eine wenig abrasive Zahncreme verwenden. Die Putzkörper in der Zahncreme unterstützen den säubernden Effekt des Putzens. Aber sie tragen ebenfalls das schützende Dentin ab. Manche Hersteller geben den RDA-Wert  (relative Dentin-Abrasion) einer Zahnpasta auf der Verpackung an: 0 bis 20 ist sehr wenig abrasiv, und über 80 wirkt sehr stark abrasiv.

Fehler 4: Die Putzrichtung ist egal

Nein. Auch beim Zähneputzen gilt: Nur mit System kommt man ans Ziel. Zahnärzte empfehlen dafür KAI. Die Abkürzung bedeutet: Erst die Kauflächen, dann die Außenflächen und schließlich die Innenflächen der Zähne reinigen. Wer einfach nur von links nach rechts oder stur auf und ab putzt, der säubert die Übergänge am Zahnfleischrand nicht – er kann sie sogar verstopfen. Gerade an diesem Übergang lagern Beläge und Essensreste. Die KAI-Technik wird vor allem für Kinder empfohlen, da sie den Einstieg in ein systematisches Putzen erleichtert.

Leons Tipp für Oma Berta: Rütteln statt wischen – auch BASS-Technik genannt. Am besten setzt man die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischrand an, rüttelt leicht und streicht dann sanft Richtung Zahn. “So zitterst du dich von Zahn zu Zahn”, meint Leon schelmisch und stößt mit seiner Interpretation der “Vibrationstechnik” beim Zähneputzen auf ein abschätzendes Lächeln seiner Oma, die ihn aber direkt wieder lieb in den Arm nimmt.

Dieses Video zeigt in 60 Sekunden, wie die KAI-Systematik funktioniert. Es wurde vom Arbeitskreis Zahngesundheit Westfalen-Lippe erstellt und richtet sich an Kinder, Eltern und Familien. (Quelle: Bundeszahnärztekammer)

Fehler 5: Zahnseide ist was für Snobs

Nein. Wer die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdental-Bürstchen säubert und dann putzt, hat weniger Zahnbelag. So  macht man sich also nicht besonders wichtig, sondern handelt klug.

Leons Tipp für Oma Berta: Nimm das, womit Du am besten klar kommst! Gerade im Alter ist das Hantieren mit der Zahnseide nicht immer so einfach. Und wenn die Zahnzwischenräume größer werden, gibt es für jede Lücke die passende Bürste. Bei jedem sind die Zahnzwischenräume eben anders. Einfach ausprobieren oder noch besser: Den Zahnarzt fragen. Oma Berta gibt an ihren vorwitzigen Enkel zurück: “Bürstchen für die Zahnzwischenräume sind kein Ersatz für Haare auf den Zähnen!”

Übrigens haben iranische Forscher in einer Studie herausgefunden, dass es besser sein könnte, wenn die Zahnzwischenräume als erstes gereinigt werden. Mehr dazu in unserem Artikel: Erst die Zahnseide, dann die Zahnbürste! 

Fehler 6: Die Zunge gehört nicht zu den Zähnen

Doch. Auf  der rauhen Oberfläche der Zunge siedeln Milliarden von Bakterien. Darum gehört die Säuberung der Zunge zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge. Entzündungen durch Bakterien im Mund – wie die Parodontitis – belasten den Organismus. Ja, sie erhöhen das Risiko für viele Krankheiten wie Rheuma, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Leons Tipp für Oma Berta: Die Zunge mit einem speziellen Zungenschaber (gibt es sogar aus Metall für die Spülmaschine) reinigen! Einfach die Zunge rausstrecken, die Spitze festhalten und mit dem Schaber sanft von hinten nach vorne schaben. Oma und Leon finden das cool und strecken sich kichernd gegenseitig die Zunge raus.

Fehler 7: Zahnbürsten geben nicht den Geist auf

Doch. Zahnbürsten – oder die Köpfe elektrischer Zahnbürsten – sollten nach mindestens drei Monaten ersetzt werden. Man sieht es ihnen an, wenn einzelne Borsten bereits schlapp zur Seite stehen. Die verletzen das Zahnfleisch. Zudem freuen sich im Laufe der Zeit auch immer mehr Bakterien auf den feuchten Lebensraum zwischen den Borsten.

Leons Tipp für Oma Berta: Zahnbürsten auf Vorrat kaufen, und im Kalender einen Termin zum Austausch der Zahnbürste eintragen. “Wenn du immer Zahnbürsten im Haus hast, kann ich meine ja mal vergessen, wenn ich bei dir übernachte”, freut sich der Enkel.

Fehler 8: Fluorid macht krank

Nein! Fluoride gehören zu den weltweit am gründlichsten untersuchten Medikamenten. Wer zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta putzt, senkt das Risiko für Karies um 40 Prozent. Es kommt auf die richtige Dosierung an. Eine Zahncreme für Erwachsene darf 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid enthalten, für Kinder 500 ppm Fluorid.

Leons Tipp für Oma Berta: Bei der Wahl der Zahncreme auf die Putzkörperchen (sind die zu grob, leidet der Zahnschmelz) und auf den Gehalt von Fluorid achten. Hersteller sind verpflichtet, den Gehalt an Fluorid auf die Verpackung zu schreiben. “Falls du das nicht entziffern kannst, gehe ich beim nächsten Einkauf im Drogeriemarkt einfach mit”, bietet der Enkelsohn freundlich an. “Die Süßigkeiten an der Kasse können wir uns dann aber sparen, oder?”, erwidert die Oma.

Fehler 9: Nur faule Leute putzen elektrisch

Nein! Elektrische Zahnbürsten können das Putzen erleichtern. Speziell ältere Menschen profitieren von den vereinfachten Bewegungsabläufen. Es gibt zwei Gruppen von elektrischen Zahnbürsten. Oszillierend-rotierende, runde Bürstenköpfe und Schallbürsten mit länglichem Bürstenkopf. Wie so oft im Leben, gibt es auch hier kein “besser oder schlechter”. Die beste Zahnbürste ist die, mit der Sie optimal putzen können. Lassen Sie sich in der Zahnarztpraxis beraten.

Leons Tipp für Oma Berta: Die elektrische Zahnbürste entbindet nicht von der zusätzlichen Reinigung mit Zahnseide und Interdentalbürstchen. Die Oma nickt und meint: “Ich bin ja noch fit und komme mit der Handbürste gut zurecht. Das hat mein Zahnarzt geprüft.“

Fehler 10: Ein Zahnputzbecher für alle

Aus Unwissenheit benutzen viele Familien gemeinschaftlich einen Zahnputzbecher. Da stehen dann die Zahnbürsten eng beieinander, und die Bakterien “hüpfen” munter hin und her. Nicht nur im Krankheitsfall sollten alle Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft ihre Zahnbürsten separat aufbewahren – gut belüftet übrigens! Die Zahnbürste sollte nicht in einem abgeschlossenen Toilettenraum auf den nächsten Einsatz warten. Dann ist es besser, die Zahnputz-Utensilien in die Küche oder an den eigenen Schlafbereich zu stellen.

Leon hat hier keinen Tipp für seine Oma Berta. Als Opa Peter gestorben ist, hat sie nach einiger Zeit eben auch seine Zahnbürste weggeworfen. Leon stellte beim nächsten Übernachtungsbesuch einfach seine Kinderzahnbürste in Opas Zahnputzglas und beide waren etwas getröstet.

Es gibt natürlich jede Menge Tipps und Empfehlungen rund um das Zähneputzen. Hier ist es immer am besten, direkt mal die Zahnärztin oder den Zahnarzt zu fragen. Die Prophylaxe-Profis in der Praxis haben für jeden Patienten individuelle Empfehlungen und Ratschläge – und klar: Wer so einen schlauen Enkel hat wie Oma Berta, der kennt sich beim Thema Zähneputzen schon gut aus!